Das ZTE Axon 20 4G ist Smartphone, das im Gegensatz zu allen anderen Geräten, mal mit einer wirklichen Innovation auf den Markt kam, denn es verfügt über eine unter dem Display befindliche Kamera.

Trotz dieser Innovation wurde es für eine UVP von 399,90 € im Jahr 2020 von den Testern quasi zerrissen, obgleich der für den Preis schwachen Performance und Kameraleistung, insbesondere auf der Front.

Warum ich das Gerät, auch für unter 200 €, nicht empfehlen kann, obgleich ich beide o.g. Kritikpunkte für den Preis als angemessen ansehe, erfahren Sie in diesem Testbericht.

Vorerwartungen

200 € war mir der Spaß einfach wert, die erste unter dem Display befindliche Kamera einmal selbst zu erproben. Denn für diesen Preis muss man sich nicht mehr mit dem OnePlus Nord 2, dem Samsung Galaxy A53 oder dem Xiaomi 11T messen, sondern tritt gegen das Poco M4 Pro 5G oder Redmi Note 11s an.

Ich war gespannt, ob dann nicht die leichten Abstriche, so sie denn stimmen, nicht die Innovation wert wären. Genau das wollte ich herausfinden.

Verpackungsinhalt

Und gleich in der ersten Disziplin lässt das ZTE Axon 20 4G die Konkurrenz dann in der Tat im Schatten stehen.

Denn die weiße Verpackung mit silbernen und goldenen Schriftzügen wirkt nicht nur wertiger als die 200 € Konkurrenz, sie hat es auch in sich. Spezifikationen werden allerdings auch hier wieder nur per Aufkleber angebracht. Auf Darstellungen des Geräts wird auf der Verpackung verzichtet. Grundsätzlich passt die Verpackung aber durchaus zu der geforderten UVP von 400 €.

Der Verpackung enthalten sind neben dem Gerät: Quick Start Guide in sechs und Garantiebedingungen in neun Sprachen, darunter auch Deutsch. Es gibt ein Sim-Eject-Tool, ein weißes USB-C- auf USB-A-Daten- und Ladekabel, sowie ein europäisches 18 Watt Netzteil. Entgegen dem Samsung Galaxy M22 entspricht dies aber auch der maximalen Ladeleistung. Zudem finden wir eine Silikonschutzhülle in Transclear, In-Ear-Kopfhörer (die ich bei Tests immer nicht nutze) und einen USB-C- auf 3,5mm-Klinken-Adapter.

Nur auf eine vorinstallierte Schutzfolie muss man also verzichten.

Design und Verarbeitung

Kommen wir zur nächsten 1 im Zeugnis des ZTE Axon 20 4G, dem Design und der Verarbeitung. Denn hier punkte das Gerät nicht nur durch die In-Display-Kamera, sondern auch durch die Wertigkeit der Materialien.

Die Maße des ZTE Axon 20 4G belaufen sich auf 171,9 mm x 78,0 mm x 8,3 mm (10,1 mm an der herausstehenden Kamera), bei einem Gewicht von 198 g (inklusive Simkarte). Damit ist es ein sehr großes Gerät, was aber auch dem riesigen Display verschuldet ist.

Rahmen und Rückseite des Geräts liegen mir in Schwarz vor, was auch so heißt und nicht, wie bei anderen Herstellern unter einem Decknamen versteckt wird. Jedenfalls aktuell wird die hier vorliegende einfache Version nicht in anderen Farben angeboten. Der Rahmen ist aus Metall, die Rückseite aus Glas. Rein von der Wertigkeit muss man sich damit weder hinter dem Xiaomi Mi Note 10 Lite, noch dem Lenovo Z6 Pro, als den beiden wertigsten Geräten nach der Zeit der Aluminiumrückseite, verstecken. Aktuelle Geräte halten hier in bei weitem nicht mehr mit.

Auf der rechten Seite befindet sich die Power Taste und die Lautstärkewippe, während die linke Seite clean ist. Oben finden wir nur ein zweites Mikrofon finden. Unten befindet sich, neben dem Mikrofon, der Monolautsprecher, ein USB-C-Anschluss und der Sim-Schlitten.

Eine IP-Zertifizierung gibt es nicht. Auch über das Glas der Displayscheibe konnte ich kein Spezifikation finden. Es fühlt sich aber wertig an.

Entsperrmechanismen

  • Codes: Ja
  • Fingerabdrucksensor: Ja (im Display)
  • Face-Unlock: Ja

Die Entsperrmechanismen funktionieren schnell und zuverlässig und liegen, in meinen Augen über der Qualität, die Kamera und Prozessor vermuten lassen würden. Das ist alles in Ordnung.

Display

Das verbaute 6,92 Zoll große Amoled Panel im 20:9 Format, ist ein schönes Display. In einigen Testberichten habe ich etwas von einer maximalen Bildwiederholfrequenz von 90 Hz gelesen. Da aber weder ZTE hiermit wirbt und man zudem keine Einstellungsmöglichkeit hat, diese runterzuskalieren, gehe ich, auch meiner Empfindung nach, von maximal 60 Hz aus.

Die Schwarzwerte lassen sich im Graustufentest des Antutu Benchmark ab 5, die Weißwerte bis 254 unterscheiden. Als maximale Helligkeit konnte ich 520,7 Lux messen, was über dem OnePlus Nord CE 5G liegt. Im Multitouch werden überraschenderweise nur drei Finger parallel erkannt. Das hatte ich noch nie.

Es besteht die Möglichkeit ein Always-On-Display einzustellen. Das funktioniert auch gut und lässt sich verschieden und elegant einstellen.

Auch ohne die, in meinen Augen, erhöhte Bildwiederholfrequenz haben wir es hier wirklich mit einer Stärke zu tun.

Software

Zum Zeitpunkt des Testberichts (19.11.2022) arbeitet das ZTE Axon 20 4G auf Android 10 Basis, unter dem hauseigenen MiFavor UI in der Version 11.1 mit einem Sicherheitspatch vom 1. September 2022. Im Rahmen des Testzeitraums kamen zwei Softwareupdates herein, die in erster Linie das Sicherheitspatch aktualisierten.

Alle Google Services funktionieren und der PlayStore ist zertifiziert.

Das DRM Widevine Level ist jedoch nur auf L3, wodurch sich Filme, z.B. bei Netflix oder Amazon Prime Video, nur auf bis zu 720p streamen lassen. Das ist, obgleich des schönen großen Displays, ein wenig schade. Ich bezweifle aber, ob das vielen Nutzern tatsächlich auffällt.

Verglichen mit der Konkurrenz wurde hier auf die Installation von zahlreicher Bloatware verzichtet, sehr schön.

Auch MiFavor bietet interessante Anpassungsmöglichkeiten, von denen mir besonders der Doppelklick auf der Zurück-Taste, um in den Einhandmodus zu wechseln, sehr gefällt. Damit ist es das erste Smartphone seit Jahren, das ich mit den Navigationstasten verwende.

Performance

Ein großer Kritikpunkt anderer Tester war der hier verbaute SOC, im Vergleich zur UVP. Bei einem Preis von 200 € reißt der verbaute Unisoc Tiger T618 mit seinen 6 GB RAM zwar noch immer keine Bäume aus, bleibt aber im Rahmen und liefert eine solide Alltagsperformance

Im Antutu Benchmark in der Version 9.3.9. erreicht das Gerät 251.325 Punkte, was dem 19. Platz von bislang 23 getesteten Geräten und in etwa dem Level des Redmi Note 11 entspricht. Im Geekbench 5 erreicht es 394 Punkte im Single-Core und 1.423 Punkte im Multi-Core. Dies entspricht dem 24. bzw. 28. Platz unter bisher 40 getesteten Geräten. Beides entspricht in etwa dem Lenovo Z5s.

All das ist, auch für den Preis, noch in Ordnung und erfüllt auch meine Anforderung an die Performance. Aber zuletzt war das Redmi 10 in dieser Kategorie schwächer aufgestellt, dafür aber auch immer noch 50 € günstiger.

Lautsprecher

Bei dem verbauten Monolautsprecher bleibt das ZTE Axon 20 4G, in meinen Augen, hinter der Konkurrenz zurück.

Als maximale Lautstärke von 94,00 dBa messen, was sich erstmal gar nicht schlecht liest. Wirklich klanglich brauchbar ist die Qualität aber nur bis 50 %, und dann ist es wirklich zu leise.

Auch die Telefoniequalität ist vom Klang bestenfalls in Ordnung, sieht man von dem Fehler ab, den ich unter Konnektivitäten weiter beschreiben werde.

Besser gefällt mir da schon der Kopfhörerausgang. Zwar revolutioniert auch der das Smartphonegeschäft nicht vollends, aber er bringt es doch auf eine ordentliche Lautstärke, die mir bei über 75 % zu laut wird.

Equalizereinstellungen kann man mit DTS Surround ein wenig nutzen und hier Bass, Stimmen und Höhen verstärken.

Abgesehen vom Kopfhörerausgang ist die Kombination zum wirklich gutem und großen Display aber schade, da es sich ohne Zusatzgeräte dann wiederum nicht zum mobilen Medienkonsum eignet. Hier ist man dann quasi zum Gebrauch eines externen Geräts gezwungen.

Kameras

Hauptkamera

Bouquetaufnahme

Das ZTE Axon 20 4G setzt auf der Rückseite auf einen 64 MP Hauptsensor (f/1.8) eine 8 MP Ultraweitwinkellinse (f/2.2), eine 2 MP Makrolinse (f/2.4) und einen 2 MP Tiefensensor. Auf der Frontseite ist eine 32 MP Linse (f/2.2) verbaut. Über die Bezeichnungen der verbauten Sensoren schweigen sich Tester und ZTE aus.

Klammern wir die Frontkamera einmal aus, so erreichen wir durchaus das Niveau eines 200 € Smartphones, wie etwa dem Poco M4 Pro 5G.

In Kombination mit dem Tiefensensor ist es teilweise möglich schöne Bouquetaufnahmen zu erstellen, allerdings kommt es auch vor, dass das entsprechende Objekt gar nicht erkannt wird und dann irgendwas ausgeschärft wird.

Ultraweitwinkel

Makrokamera

Der Makrosensor erreicht in meinen Augen nicht das Niveau der ebenfalls nicht nennenswerten Konkurrenz, während der Ultraweitwinkel zwar auch hier nicht das Niveau der Hauptlinse erreicht, aber auch nicht nennenswert hinter der Konkurrenz zurückbleibt.

Die Frontkamera ist dann allerdings wirklich nur als Feature für die Gesichtsentsperrung zu gebrauchen. In der gesamten Nutzungszeit ist mir kein einziges brauchbares Bild gelungen, gleich bei welcher Belichtung. Alles wirkt immer ein wenig neblig verwaschen. Jede andere Frontkamera konnte mich bislang in meinen Tests mehr überzeugen.

Videos lassen sich auf der Rückseite in bis zu 1080p mit 30 FPs aufnehmen. Auf der Frontseite ist man gar auf maximal 720p und 30 Fps beschränkt. Abgesehen von den schwachen Nennwerten der Aufnahmen fiel mir die Audioaufnahme positiv auf. Dafür funktionierte auch auf der Rückseite der Autofokus nicht.

Frontkamera

Akkuleistung

Mehr als alle zuvor genannten Kritikpunkte bislang fällt bei mir die Akkuleistung ins Gewicht. Hier schlägt in meinen Augen mehr der verbaute Unsicoc Tiger T618 in Kombination mit dem kleinen 4.220 mAh große Akku ins Gewicht, als das großen 6,92 Zoll Display. Denn wo andere Geräte, als Testgerät, mal eine Woche halten, bin ich hier auf 2 Tage beschränkt.

Gemäß AccuBattery komme ich auf eine Screen-On-Zeit von etwa 9-12 h und einen kombinierten Verbrauch von 55-56 h. Dabei wurde das Gerät als Testgerät mit adaptiver Helligkeit verwendet. Im Rahmen des bisherigen Testberichts von 2 h verbrauchte der Akku 10 %, so dass ich auf einen Verbrauch, unter ähnlicher Nutzung von fast 20 h käme.

Für 20 min YouTube auf adaptiver Helligkeit verbraucht das Gerät dann 2 % (6 %/h), was hingegen ein guter Wert ist.

All diese drei gemessenen Werte brauchen sich nicht hinter einem OnePlusNord CE 5G verstecken. Die Entladung erfolgt also gegenüber der Konkurrenz einfach stärker bei Nichtnutzung.

Mit dem mitgelieferten 18 Watt Netzteil brauche ich für eine volle Ladung etwa 90 min. Die schwächere Ladeleistung zeigt sich damit also nicht nur auf dem Papier. Hier bieten aktuelle Geräte einfach mehr.

Konnektivitäten

Das ZTE Axon 20 4G ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: 1, 3, 5, 7, 8, 20, 28 und 38. Es ist nicht 5G kompatibel (Allerdings gibt es ein ZTE Axon 20 5G).

Im Rahmen meines Testzeitraums führe ich für gewöhnlich immer Telefonate mit meiner Großmutter. Dies war mit der ZTE Axon 20 nur schlecht bis gar nicht möglich, da das Gerät während der Telefonate häufig mehrmals abstürzte bzw. neu startete. Ich vermute, dass dies stets bei einem Wechsel der Funkzellen passiert ist, da ich aus meiner Wohnung minutenlang ohne Absturz telefonieren konnte. Noch mehr als die Akkuleistung ist dies mein größter Kritikpunkt an dem Gerät. Denn am Ende ist ein Smartphone halt ein Telefon, und da will man nicht zahlreiche Abstürze unterwegs erleiden. Sofern das spätere Softwareupdates hieran etwas ändert, werde ich diesen Passus korrigieren.

Das Gerät verfügt über einen Hybridslot. Man hat also die Wahl zwei Simkarten parallel zu nutzen, oder eine Simkarte mit einer Speichererweiterung per Micro SD Karte. Der interne Speicher beläuft sich auf 128 GB, von denen per Werk 116 GB frei zur Verfügung stehen. Auch hieran sieht man, dass wirklich kaum Bloatware vorinstalliert war.

Überzeugen kann das Gerät beim WLAN Empfang. Bis hoch aufs Dach habe ich eine quasi volle Leistung im Download und 2/3 der Leistung im Upload. Das ist stark

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet auf meiner Loggia 18 Satelliten, von denen 10 benutzt werden und zu einer auf 6 m genauen Position kommen. Der Hardwarekompass funktioniert. Andere Geräte finden und nutzen doppelt so viele Statteliten und erhalten eine auf 3m genaue Position

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss.

Es ist zudem NFC-fähig, wodurch man es zum kontaktlosen Zahlen nutzen kann. Eine Verbindung mit dem Anker Soundcore Boost verlief über NFC/Blutooth problemlos.

Verzichten muss man hingegen auf eine Benachrichtigungs-LED, dafür wird das Always-On-Display verwendet, auf dem eingehende Benachrichtigungen angezeigt werden. Mittlerweile machen das eigentlich alle Geräte mit Amoled Panel so.

Preis- und Preisleistung

Zwischenzeitlich konnte man das ZTE Axon 20 4G für um die 200 € erstehen, was auch der Preis ist, für den ich das Gerät bewerte. Die UVP der vorliegenden Version lag bei 399,90 €. Aktuell liegt der Preis wieder bei 300 €.

Sieht man einmal bei dem Telefoniefehler ab, so kann man den Preis von 200 € in meinen Augen vertreten. Ein Schnäppchen gegenüber anderen Herstellern ist das Gerät aber auch dann nicht.

Fazit

Wer zum ZTE Axon 20 4G greift, dem sollte es entweder um eine tolle Verarbeitung, die Innovation der Kamera unter dem Display (ohne sie nutzen zu wollen) oder ein großes Amoled Display an sich gehen. Denn in allen anderen Kategorien gibt es genügend Konkurrenz, die in für mich wichtigeren Kategorien einfach deutlich überlegen sind.

Für mich ist gar nicht einmal die schlechte Qualität der Frontkamera der Grund, warum ich nicht zu dem Gerät greifen würde, sondern vielmehr der Fehler bei der Telefonie und die geringe Akkulaufzeit (bzw. der hohe Standbyeverbrauch).

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