Smartphone Test | Xiaomi Mi Note 10 Lite

Xiaomi Mi Note 10 Lite

Bedingt durch einen Sturz und damit verbundenen Kratzern an meinem immer gerne genutzten Redmi Note 8 Pro stand für mich im August ein Wechsel meines eigenen Daily Drivers an, und die Wahl fiel auf das hier vorgestellte Xiaomi Mi Note 10 Lite. Dieses habe ich seit dem 20. August in der Nutzung.

In diesem Test erfahren Sie, wofür man die 70 € mehr auch vertretbar bezahlt, aber gleichzeitig auch, warum ich den meisten Nutzern im Moment weiterhin eher dazu raten würde für aktuell 160 € zum Redmi Note 8 Pro zu greifen.

Vorerwartungen

Abgesehen von der Beseitigung der Schrammen versprach ich mir eine durch das Mi Note 10 Lite eine Verbesserung beim Display, der Kamera, des Akkus und der Verarbeitung, so dass ich bei einem Preis von unter 270 € bereit war über mein normale Schmerzgrenze von 200 € zu gehen.

Mich interessierte, ob ich den Aufschlag von 50-70 € als sinnvoll ansehen würde.

Verpackungsinhalt

Die in schwarz gehaltene Verpackung des Xiaomi Mi Note 10 Lite zeigt, entgegen der günstigeren Redmi Geräte, keine Versionen des Geräts, sondern beschränkt sich auf silberne Schriftzüge Mi Note 10 Lite auf mehreren Seiten des Geräts.

Neben dem Gerät finden sich in der Verpackung eine durchsichtige Schutzhülle aus Silikon, eine Sim-Nadel, ein USB-C-Ladekabel und ein europäisches Netzteil mit einer maximalen Ausgangsleistung von 30 Watt. Meinen Erinnerungen nach, war im Vorwege keine Schutzfolie auf dem Gerät angebracht, allerdings kann es auch sein, dass ich diese entfernt habe, ohne mich daran zu erinnern. Die Kurzanleitung liegt in 14 Sprachen vor, darunter auch deutsch.

Oberhalb der Einstiegs- oder Mittelklasse kann dieses Gerät sich in dieser Disziplin also ausschließlich über das stärkere Netzteil abheben. Das wird sich allerdings später in der Akkuleistung deutlich bemerkbar machen. Die Packung vermittelt durchaus auch einen wertigeren Eindruck, aber das Erlebnis des Auspackens hat man ja lediglich einmal.

Design und Verarbeitung

Das Xiaomi Mi Note 10 Lite misst 157,6 mm x 74,0 mm x 9,6 mm (10,0 mm an der herausstehenden Kamera) bei einem Gewicht von 206 g (inklusive Simkarte). Sowohl Front- als auch Rückseite sind an den Ecken abgerundet. Es verfügt also über ein sogenanntes Curved-Display.
Es fällt dabei auf, dass die Kamera deutlich weniger aus dem Gerät herausragt, als bei den zuletzt getesteten Geräten. Da ich das Gerät als Daily Driver verwende und mir dies bereit vorher klar war, habe ich die Schutzhülle nicht verwendet. Grundsätzlich verschließt sie aber mit dem Gerät.

Der Rahmen des Unibodys besteht aus Metall, die Rückseite aus Glas. Die mir vorliegende Farbe bezeichnet der Hersteller als Nebula Purple und ist in der Tat violett. Auf einem Farbverlauf verzichtet man hier und das hebt sich durchaus von der Konkurrenz ab. Alternativ gibt es das Gerät auch in einem Schwarz- und einem Weißton, der Weißton ist dabei offenbar meist vergriffen. Im Rahmen meines fast viermonatigen Testzeitraums habe ich auf der Rückseite lediglich einen kleinen Kratzer entdeckt, dass ist deutlich resistenter, als bei meinen vorherigen Daily Drivern im gleichen Zeitraum.

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste und die Lautstärkewippe, darunter der Simschlitten. Die Tasten sind aus Metall. Sie sitzen fest im Gehäuse und haben einen guten Druckpunkt. Der Fingerabdrucksensor befindet sich unter dem Display. Auf der linken Seite befindet sich nichts. Unten finden wir den USB-Typ-C-Anschluss, sowie der Monolautsprecher und der 3,5 mm Klinkenanschluss. Oben haben wir einen Infrarotsensor verbaut.

In der Tat ist das Xiaomi Mi Note 10 Lite das am wertigsten verarbeitete Gerät, vielleicht mit Ausnahme des Xiaomi Mi Note 3 und des Xiaomi Mi 9T, das ich bislang im Test hatte. Dennoch komme ich nicht umhin festzustellen, dass ich lieber ein paar Gramm weniger in der Hand gehabt hätte. Tatsächlich scheine ich bei über 200 g meine Wohlfühlzone zu verlassen.

Davon abgesehen fühlt es sich toll an und sieht toll aus.

Entsperrmechanismen

  • Codes: Ja
  • Fingerabruchsensor: Ja (hinten)
  • Face-Unlock: Ja

Grundsätzlich entsprechen alle Entsperrmechanismen in der Summe der Leistung des Prozessors. Ein Fingerbdrucksensor unter dem Display bietet aber, wie schon beim Xiaomi Mi A3 immer noch eine höhere Ablehnwahrscheinlichkeit, als jene auf der Rückseite oder am Rand. Somit bietet ein Nutzen unter dem Display noch immer nur den optischen Vorteil im Design.

Display

Das 6,47 Zoll große Amoled Display im 19,5:9 Format löst in FullHD+ auf. Die Frontkamera verbirgt sich in einer Water-Drop-Notch.
Bei maximaler Helligkeit konnte ich bei 505,6 Lux messen. Mein Eindruck vom Test des Redmi 9 bestätigt sich hier, denn allgemein habe ich den Eindruck, dass das Xiaomi Mi Note 10 Lite das bislang hellste und beste Display aller getesteten Geräte aufbietet.

Die Schwarzwerte lassen sich ab 2 unterscheiden, die Weißwerte bis 253. Die Blickwinkelstabilität ist super. Im Multitouch werden alle zehn Finger parallel erkannt.

Es tut mir leid, dass ich an dieser Stelle meinen begeisterten Eindruck bzgl. des Displays nicht mit Zahlenwerten unterstreichen kann, aber meiner Meinung nach ist das Display die beste Disziplin des Geräts.

Software

Zum Zeitpunkt des Tests arbeitet das Xiaomi Mi Note 10 Lite auf Android 10 Basis, unter der hauseigenen MiUI in der Version 12.0.2. Der Sicherheitspatch ist vom 1. Oktober 2020. Im Testzeitraum kamen mehrere Softwareupdates.

Das DRM Security Level liegt auf L1, wodurch sich Videos auf Netflix oder Amazon Video in bis zu 4k streamen lassen.

Mein allgemeiner Eindruck, dass Xiaomi seine Geräte zuverlässig mit Softwareupdates versorgt, wird bislang auch bei Mi Note 10 Lite bestätigt.

Performance

Zwar erreicht das Xiaomi Mi Note 10 Lite nicht ganz die Benchmarkwerte des Redmi Note 8 Pro, ist aber in jedem Fallen in dessen Bereich:

Im Antutu Benchmark 8.4.3 komme ich auf 268630 Punkte, was dem vierten Platz von 22 getesteten Geräten seit November 2019 entspricht. Dabei möchte ich anmerken, dass zwei der über dem Gerät stehenden Geräte, das Honor 9X Pro und das Poco X3 NFC bislang noch nicht mit einem Testbericht versehen wurden, wodurch man die Platzierung auch mit Platz 2 von 20 Geräten werten könnte. Im Geekbench 5 kommt mit 356 Punkte im Single-Core und 1313 Punkte im Multi-Core.

Im Alltag merke ich keinen Unterschied zum Redmi Note 8 Pro, was bislang das schnellste Testgerät war. Wir habe eine tolle Alltagsperformance. Der Snapdragon 730G von Qualcomm mit seinen 6 GB leistet gute Arbeit.

Lautsprecher

Sowohl in der Telefonie, als auch bei der Musikausgabe über den Monolautsprecher liefert das Gerät eine gute Performance, ohne ich grundlegend von der üblichen Mittelklasse abzusetzen. Dennoch hält sich das Blechern auch in der oberen Lautstärkeebene noch in Grenzen. Dabei erreicht das Gerät eine maximale Lautstärke von 98,8 dB.

Der Kopfhörerausgang übersteigt meine Wohlfühlzone, sobald ich die 70 % übersteige. Wie üblich gibt es diverse Equalizereinstellungen für verschiedene Xiaomi Kopfhörermodelle, so dass man den Klang optimieren kann.

All das hier genannte ist vollkommen in Ordnung bietet aber zum Redmi Note 8 Pro keinen wirklichen Mehrwert.

Kameras

Hauptkamera

Bokehaufnahme

Das Xiaomi Mi Note 10 Lite schafft in der Tat eine Verbesserung in der Kameraperformance gegenüber der Mittelklasse, auch gegenüber dem Redmi Note 9 Pro. Dabei setzt das Gerät auf einen 64 MP Hauptsensor, einen 8 MP Ultraweitwinkelsensor, einen 5 MP Tiefensensor und eine 2 MP Makrolinse. Auf der Frontseite ist ein 16 MP Sensor verbaut.

Die Hauptkamera überzeugt durch eine sehr gute Farbdarstellung kann auch in Sachen Schärfe einen Sprung nach vorne machen. Auch im Lowlight gelingt es, weitere Verbesserung zu erzielen.
Der Tiefensensor arbeitet für Bokehaufnahmen gut mit dem Hauptsensor zusammen und funktioniert auch bei nicht menschlichen Objekten gut.

Der Ultraweitwinkel ist, wie üblich, nicht von gleicher Qualität des Hauptsensors, bietet aber in geeigneten Situationen durchaus einen Mehrwert, wie z.B., wenn man vor einem breiten Gebäude steht. Dennoch kann ich hier nicht vollends bestätigen, dass er wirklich besser, als beim Redmi Note 8 Pro ist.

Ultraweitwinkel

Makrolinse

Die Makrolinse ist wie üblich eine Spielerei, und da ich das Gerät ja für mich selbst und nicht als Testgerät gekauft habe, musste ich beim Schreiben des Tests feststellen, dass ich bis dato gar kein Bild damit erstellt habe. Ich habe hier immer noch den Eindruck, dass es hier mehr darum geht, eine weitere Linse zu verbauen, als einen Nutzen für den Anwender zu geben. Die nebenstehende Aufnahme des Pferdchens hinterlässt bei mir aber einen guten Eindruck, den besten unter den Makrokameras.

Einen größeren Nutzen bietet dann die Frontkamera, die mit oder ohne Bokeheffekt schöne Farben liefert und auch ohne Softwarehilfe überzeugt. Hierdurch wirken die Farben auch in schweren Situationen echter, als beim sonst sehr überzeugenden Honor 9X Pro, über das wir Sie in unserem kommenden Testbericht informieren werden.

Videos lassen sich mit der Hauptkamera in 4k mit 30 Fps bzw. in FullHD mit bis zu 60 Fps aufnehmen. Die Frontkamera bleibt bei einer maximalen Auflösung von FullHD mit 30 Fps. Ich muss hier allerdings einräumen, dass ich in meiner Freizeit so gut wie nie Videos aufnehme. So ist es auch hier bislang verblieben. Ich bitte dies zu entschuldigen.

Frontkamera im Portraitmodus

Akkuleistung

Wo man in der Performance nicht ganz an das Redmi Note 8 Pro herankam, so übertrifft man es in dieser Kategorie tatsächlich nochmal um Längen. Der Snapdragon 730G und der 5260 mAh große Akku liefern in Laufzeit und Ladezeit ordentlich ab:

Gemäß AkkuBattery komme ich zwar nur auf eine Screenonzeit zwischen 12-15 h Stunden bei mittlerer Helligkeit. Im kombinierten Verbrauch sind das fast 60 h Nutzungsdauer (allerdings als Daily Driver, nicht als Testgerät). Daher lade ich das Gerät am Morgen jedes dritten Tages kurz auf. Denn noch mehr machen die Ladezeiten Spaß. Mit dem mitgelieferten Netzteil und Kabel lädt das Gerät um 80 % in 54 Minuten. Das Gerät wäre mit dieser Quote von 0 auf 100 % in unter 68 min. Man erreicht also tatsächlich die Zahlen des Redmi Note 9 Pro.

Auf mittlerer Helligkeit verbrauche ich für eine Stunde Youtube 6 %. Auch das ist super!

Das sind wirklich hervorragende Werte, insbesondere, weil ich das Gerät im Alltag getestet habe.

Konnektivitäten

Das Xiaomi Mi Note 10 Lite ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: B1/B2/B3/B4/B5/B7/B8/B18/B19/B20/B26/B38/B40/B41. Eine 5G Kompatibilität ist jedoch nicht gegeben.

Das Gerät verfügt über einen Dualsimslot. Man kann also zwei Simkarten gleichzeitig verwenden. Eine Erweiterung des internen Speichers per Micro SD Karte, wie bei den Redmi Geräten üblich,  ist allerdings nicht möglich. Der interne Speicher beläuft sich in der mir vorliegenden Version auf 128 GB, von denen einem per Werk über 110,37 GB zur Verfügung stehen. Es gibt auch eine 64 GB Speicherausbaustufe, für die man 20 € einsparen kann. Den Aufpreis kann man als fair bewerten.
Wie schon mehrfach im WLAN-Test mit Xiaomi Geräten, gelingt es mir im WLAN-Test auch hier nur die Hälfte der üblichen Übertragungsraten zu messen. Keine Ahnung, woran das liegt.

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet 25 Satelliten, von denen 20 benutzt werden und zu einer auf 3 m genauen Position kommen. Der Hardwarekompass funktioniert.

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss. Zudem ist es NFC-fähig, wodurch man z.B. bargeldlos zahlen kann. Das funktioniert auch zuverlässig, ebenso die NFC-Kopplung mit meinem Anker Soundcore Boost.

Wie bereits oben erwähnt verfügt das Gerät über einen 3,5 mm Klinkenausgang und einen Infrarotblaster, mit letzterem kann man das Gerät also als Fernbedienung für seinen Fernseher oder Beamer verwenden.

Preis- und Preisleistung

Zu einem guten Preis bekommt man das Xiaomi Mi Note 10 Lite auch in Deutschland in der vorliegenden Speicherausbaustufe für um die 260 €. Für den Preis konnten auch wir es beziehen und gehen hiervon in der Bewertung aus. Der normale Preis über Amazon beträgt dann eher um die 320 €, wobei man 20-30 € bei niedrigerer Speicherausbaustufe sparen kann.

Das Redmi Note 9 Pro kriege ich von dort aber durchaus für um die 200 €. Vergleiche ich die beiden Geräte, so erhalte ich hier tatsächlich all das, was ich in meinen Vorerwartungen erhofft hatte: eine bessere Kamera, eine bessere Verarbeitung und ein viel besseres Display, bei vergleichbarer Akkuleistung. Besonders für letzteres wäre ich in jedem Fall bereit, den Aufpreis zu zahlen.

Lasse ich den Blick aber auf meine Vorgänger, das Redmi Note 8 Pro wirken, dass man derzeit häufig für 160 € erhält, dann würde ich den 100 € Aufpreis als nicht gerechtfertigt ansehen.

In jedem Fall bekommt man hier aber was für seine 262 € geboten. Denn Verarbeitung, Display und Kamera, gekoppelt mit der Akkuperformance, wird man für den Preis sonst nicht erhalten.

Fazit

Das Gerät ist ohne jeden Zweifel sein Geld mehr als Wert. Dennoch sollte man sich gut überlegen, ob man wirklich bereit ist, den Preis für sein Smartphone fast zu verdoppeln um die Steigerung der o.g. vier Disziplinen zu erhalten. In jedem Fall ist es auch Komfort, sein Gerät nicht ständig in Watte packen zu müssen.

Denn:

  1. Schütze ich mein Smartphone durch ein Case, brauche ich das bessere Design nicht.
  2. Nutze ich die volle Displayhelligkeit so gut wie nie, sondern reguliere die Helligkeit zu Gunsten der Akkuleistung stets runter, dann brauche ich auch das bessere Display nicht.
  3. Mache ich meine Aufnahmen zum Großteil draußen bei gutem Wetter, merke ich kaum was von der Verbesserung.
  4. Habe ich alle zwei Tage mal 90 Minuten Zeit für eine Ladung, brauche ich auch die bessere Akkuleistung nicht.

Vielleicht sind dann 100 € in der Tasche oder die Gewissheit das Gerät doppelt so oft fallen lassen zu können mehr wert.


Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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