Smartphone Test

Lenovo Z5S

Bild mit dem Redmi Note 8 Pro aufgenommen.

Vorerwartungen

Dem einem oder anderen wird die Marke chinesische Lenovo vielleicht bereits aus dem Bereich der Tablets oder Notebooks ein Begriff sein. So ist es auch bei mir, und daher war ich bereits nach meinem ersten getesteten Lenovo Smartphone, dem Z6 Lite, gespannt auf das Produkt, da es für um die 150 € eine sehr attraktive Hardwareausstattung anbot. Das einzige, an dem ich ein wenig auszusetzen hatte, war damals die Software, was der Preis-Leistung für mich aber keinen Abbruch tat.

Das Z5s kommt fast mit der gleichen Ausstattung daher. Der Akku ist zwar etwas kleiner, dafür verfügt es aber über eine Glasrückseite und satte 6 GB Arbeitsspeicher. Daher ging ich auch in diesem Fall von einem ähnlich überzeugenden Gesamtpaket aus, nur, dass man Akkuleistung zu Gunsten von Verarbeitung und eventuell Performance einbüßen würde.

Verpackungsinhalt

Wo die schwarze Verpackung des Lenovo Z6 Lite irgendwie etwas besonderes vermittelte, wirkt die weiße Verpackung des Lenovo Z5s eher langweilig und unauffällig. Aber merke, man kauft ja schließlich das Gerät und nicht die Verpackung.

Neben dem Gerät befinden sich hier eine durchsichtige Silikonhülle, ein nicht individualisiertes Sim-Eject-Tool, ein USB-Typ-C- Ladekabel, ein chinesisches Netzteil 5 V auf 3 A, sowie eine in chinesisch gehaltene Kurzanleitung und ein anderes Papier, von dem ich annehme, dass es sich hierbei um die Garantiebedingungen handelt.

Zudem wurde von  dem Versand GearBest ein europäischer Steckadapter beigelegt. Das ist bei den meisten Importshops der Fall.

Zusammenfassend halten wir fest: Das Netzteil ist stärker, als gewöhnlich, außerdem liegt eine Hülle bei. Dafür ist das Geschreibsel nicht auf deutsch oder englisch.

Design und Verarbeitung

Bild mit dem Redmi Note 8a Pro aufgenommen.

Das Lenovo Z5s misst 156,4 mm x 74,2 mm x 7,8 mm (9,0 mm an der herausstehenden Kamera) bei einem Gewicht von 171 g (inklusive Simkarte).

Der Unibody verfügt über einen Metallrahmen mit einer Glasrückseite und ist in einer Art Kupferfarbe mit Farbverlauf gehalten, die der Hersteller mit Tangerine bezeichnet. Zum einen finde ich sie wirklich schick, zum anderen hebt sie sich aber auch von der gesamten Konkurrenz ab, da diese keine vergleichbare Farbe haben. Alternativ bietet der Hersteller das Gerät auch in grau oder einem blau mit violetten Farbübergang an. Einen Preisunterschied zwischen den Farben konnte ich nicht feststellen

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste und die Lautstärkewippe. Die Tasten sind ebenfalls aus Metall, haben einen guten Druckpunkt und wackeln nicht.

Auf der linken Seite befindet sich der Simschlitten. Auf der unteren Seite befindet sich der USB-Typ-C-Anschluss, sowie der Hauptlautsprecher und der 3,5 mm Klinkenanschluss.  Oben befindet sich ein zweiter Lautsprecher, der zur Dualfunktion verwendet wird.

Der Fingerabdrucksensor befindet sich auf der Rückseite.

Das Gerät befindet sich in meinem Augen in Sachen Verarbeitung durchaus auf dem Niveau Mittelklasse von Xiaomi wieder und kommt dabei sogar mit einer individuellen Farbe daher. Das gefällt mir wirklich gut. Vergleicht man dies mit der Mittelklasse von Samsung, so wird hier mittlerweile auf Kunststoff gesetzt.

Entsperrmechanismen

Codes: Ja

Fingerabruchsensor: Ja (auf der Rückseite)

Face-Unlock: Ja

Alle drei Mechanismen funktionieren in der Geschwindigkeit, die man in Kombination mit dem Prozessor erwarten kann. Abweichungen zu vergleichbaren Xiaomi bzw. Redmi Geräten konnte ich nicht feststellen und die haben in diesem Segment in der Regel die Nase vorn.

Display

Das 6,3 Zoll große HD+ IPS LCD Display mit einer Water Drop Notch kommt auf eine maximale Helligkeit von 566,4 Lux und und hinterlässt, wie auch beim Lenovo Z6 Lite einen guten Eindruck. Es könnte sich durchaus um das gleiche handeln.

Die Schwarzwerte im Graustufentest des Antutut Benchmark lassen sich ab 2 unterscheiden, die Weißwerte bis 252. Komisch, dass eher die Schwarz- als die Weißwerte einen guten Wert aufweisen.

Die Blickwinkelstabilität ist super. Im Multitouch werden alle zehn Finger parallel erkannt.

Vergleicht man dies mit dem von uns zuvor getesteten Redmi 8, so erhält man für nur 50 € mehr ein wirklich viel besseres Display.

Software

Wer als Miesepeter einen Nichtkaufgrund beim Lenovo Z5s sucht, der wird in dieser Kategorie am ehesten fündig. Dies liegt in meinen Augen aber nicht an der Lenovo eigenen Oberfläche, sondern vielmehr an den bisher erhaltenen Updates. Denn obwohl GearBest in seiner Beschreibung OTA Updates verspricht, habe ich in anderthalb Monaten Testphase noch keines erhalten. Sobald dies der Fall ist, werde ich das hier noch einmal anmerken.

Das Gerät läuft auf AndroidBasis mit einem hauseigenen UI in der Version 10.5.205 ST und einem Sicherheitspatch vom 1. Februar 2019. Der Google Playstore ist nicht zertifiziert, allerdings konnte ich alle Apps problemlos installieren.

Das UI ist in verschiedenen Sprachen, darunter auch deutsch zu nutzen, allerdings muss man hier mit dem einen oder anderen Anglizismus leben.  So wird zum Beispiel aus Tönen: Sounds, aus Passwort und Fingerabdrücke: Password & Fingerprint und aus Erweiterte Einstellungen: Advanced Settings. Zusätzlich hat man verschiedene Bedienelemente, wie z.B. Gestensteuerung (genannt 4D Touch), einer Drehbewegung zum Kamerastart oder ein paar eigenen Hintergründen. Im Vergleich zum Z6 Lite läuft das UI hier aber deutlich flüssiger und kommt schneller aus dem Quark. Ob hierfür möglicherweise der mit 6 GB deutlich höhere RAM verantwortlich ist, kann ich nicht sagen, aber das macht sich deutlich bemerkbar. So ist das Gerät hier von der Leistung her in jeder Situation der Leistung des Prozessors angemessen.

Sieht man hier also vom Sicherheitspatch, den bisher erhaltenen Updates und der fehlenden Zertifizierung für den Google Play Store ab, so erhält man eine gut funktionierendes UI mit wenigen aber sinnvollen Features.

Performance

Der verbaute Snapdragon 710 mit seinen 6 GB Arbeitsspeicher liefert eine gute Performance, die im Vergleich auch nicht nur in den Benchmarks über dem Snapdragon 660 oder 665 liegt. Wer mit diesen Prozessoren von der Leistung her aber immer noch zufrieden ist, für den lohnt sich ein Umstieg nicht. So groß ist der Unterschied dann auch wieder nicht. Im Vergleich mit dem Snapdragon 675 merke ich keinen Unterschied.

Im Antutu Benchmark 8.1.8 komme ich auf 209178 Punkte, der Geekbench 4 erreicht 1818 Punkte im Single-Core und 5899 Punkte im Multi-Core, der Geekbench 5, den ich ab sofort als zweiten Benchmarktest verwenden werde kommt auf 389 Punkte im Single-Core und 1497 Punkte im Multi-Core. Mein o.g. Eindruck wird also auch durch diese Werte bestätigt.

Spiele, wie Asphalt 9 LegendsBreakneck oder Last Day on Earth  ließen sich gut spielen. Bei Breakneck hatte ich sogar den Eindruck, dass die grafischen Einstellungen hochgeschraubt wurden.

Auch im Laden von längeren PDFs (200 Seiten in Farbe) merkt man eine Verbesserung in der Performance den o.g. Prozessoren.

Das UI, in Kombination mit dem größeren Arbeitsspeicher, sind gut auf den Prozessor optimiert und rufen diese Leistung gut ab.

Lautsprecher

Tatsächlich ist es mit den beiden Lautsprechern des Lenovo Z5s möglich, eine Art Stereoeffekt zu erzeugen. Das ist ein netter Bonus. In der Gesamtlautstärke kommt man zwar nur auf eine maximale Leistung von  94,0 dBA dafür fängt der Klang aber hier nicht schon an zu blechern und klingt deutlich wertiger, als bei Budgetgeräten, wie dem Redmi 8.

In Sachen Telefonie empfinde ich die Leistung als normal. Die Lautstärke ist auf jeden Fall laut, die Klangqualität kam mir hier aber bei anderen Geräten im gleichen Preissegment wertiger vor.

Der Kopfhörerausgang ist laut genug, aber nicht so laut, wie bei der Konkurrenz von Redmi oder Xiaomi Geräten. Hier besteht die Möglichkeit, die Lautstärke noch weiter nach oben einzustellen, denn erst bei 80-90 % wird es mir zu laut beim Lenovo zu laut. Dies ist beim z.B. Redmi 8 schon bei 60 % der Fall.

Der Stereoeffekt ist ein netter Bonus, den man in diesem Preissegment normal nicht erhält, allerdings liefern diverse Monolautsprecher eine höhere Lautstärke ab.

Kameras

Hauptkamera des Lenovo Z5s mit HDR

Das Lenovo Z5s verfügt über eine Triple Kamera auf der Rückseite (16 MP Hauptkamera, 8 MP Zoomkamera, 5 MP Tiefensensor) und eine 16 MP Frontkamera. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um die gleichen Sensoren, wie beim Lenovo Z6 Lite. Im damaligen Test wurde die Leistung, wie folgt beschrieben:

„Die Gesamtqualität der Kameras lässt sich mit den Mittelklasse Xiaomi Geräten (Redmi Note 7 oder Mi 8 Lite) durchaus vergleichen und das in jeder Disziplin, auch Low Light oder Bokeh Effekt. Dabei hinterlässt die Farbdynamik einen besseren Eindruck als die Schärfe im Detail. Während Xiaomi in Sachen Schärfe die Nase vorn hat, kann man hier im Bereich der Videos punkten..“

Selfie Kamera des Lenovo Z5sGrundsätzlich kann ich die Einschätzung auch hier wieder geben, allerdings wirkte mir die Software beim Z6 Lite optimierter. Denn wo ich damals den Telesensor als Mehrwert ansah, bin ich hier der Meinung, dass man beim Z5s keinen Mehrwert zum Foto der Hauptkamera hat, sieht man mal von Videos ab. Zudem ist man auch in Schärfe und Lowlight schwächer, als noch beim Z6 Lite aufgestellt. Alles in allem ist die Kameraleistung aber als gut zu werten.

Hauptkamera des Lenovo Z5s HDR

Akkuleistung

Sucht man eine Kategorie, in der man klar hinter dem Z6 Lite bleibt, so schaut man auf die Akkuleistung, denn diese erreicht nun nicht den Bestwert des Z6 Lite, sondern mit 9,6 % Verbrauch (5 % in 25 min)  für das schauen von einer Stunde Youtube bei mittlerer Helligkeit, eher ein oberes Mittelmaß. Das ist natürlich immer noch in Ordnung. Mit der Test App AccuBattery komme ich auf eine Screen on Zeit von 8h 7 min.

Mit dem beigefügten Ladegerät gelingt es mir den Akku in 1:08 h um 64 % aufzuladen. Das ergibt eine Ladezeit von 106 min für eine volle Ladung. Auch das ist ein normaler Wert.

Insgesamt hat man also eine normale Akkuleistung, die nicht ansatzweise an die von Spitzengeräten herankommt.

Konnektivitäten

Das Lenovo Z5s ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: B1/B2/B3/B5/B7/B8/B20/​B34/B38/B39/B40/B41. Einen Empfangstest auf der Loggia habe ich nicht durchgeführt.

Das Gerät verfügt über einen Hybridslot. Man muss sich also entscheiden, ob man zwei Simkarten nutzen möchte oder eine Simkarte und eine Micro SD Karte zur Speichererweiterung. Der interne Speicher beläuft sich auf 64 GB, von denen einem per Werk 52,9 GB zur Verfügung stehen. Das Gerät verfügt über einen 3,5 mm Klinkenausgang.

Im WLAN messe ich die folgenden Werte (1: direkt vor dem Router; 2: ein Zimmer daneben; 3: auf dem Dach):.

  1. D: 40,6 / U: 8,67
  2. D: 40,4 / U: 8,65
  3. D: 16,1 / U: 7,69

Der Router gibt dabei nach eigener Aussage D: 51,3 Mbit/s und U: 11,1 Mbit/s wieder.

Auf der längeren Entfernung fällt dabei der höhere Abfall im Download auf. Den Verlust in erster und zweiter Entfernung schreibe ich dem WLAN-Modul der sechs Jahre alten FritzBox zu.

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet 25 Satelliten, von denen 20 benutzt und zu einer auf 3m genauen Position kam. Der Kompass funktionierte

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss.

Das DRM Security Level steht auf L3, wodurch sich Streamingdienste, wie Amazon Prime Video oder Netflix nur in 720p wiedergeben lassen.

Die Benachrichtigungs-LED ist, wie schon beim Z6 Lite, RGB-fähig, bedeutet, sie leuchte nicht nur in weiß, sondern auch in jeder beliebigen anderen Farbe. Das ist in dieser Preiskategorie stark.

Preis und Preisleistung

Das Lenovo Z5s  in der Version 4 GB/ 64 GB bekommt man als Import für zwischen 130-160 €.  Das ist so ziemlich der günstigste Preis, für den man einen Snapdragon 710 als Prozessor erhält. Und damit ist im Grunde genommen schon geklärt, dass das Gerät sein Geld wert. Nebenbei erhält man noch ein tolles und individuelles Design, Duallautsprecher und eine farbige Benachrichtigungs-LED, mit nur einem Nachteil: der Softwareupdates. Der Rest ist mindestens auf Preisniveau. In Deutschland ansässigen Shops sucht man das Gerät derzeit noch vergebens.

Das Gerät ist seinen Preis für mich daher mehr als Wert und ist als vermutlich der Schnäpper des letzten Jahres zu bezeichnen.

Fazit

Ich bin für den Preis von unter 150 € von dem Lenovo Z5s mehr als begeistert. Wie schon oben erwähnt übertrumpft man alles in diesem Preissegment in Sachen Performance und bringt zudem ein eigenes Design auf den Markt. Zudem hat man eine Stereolautsprecher und die farbige Benachrichtigungs-LED im Paket, auf die die Konkurrenz ebenfalls in dieser Preiskategorie verzichtet.

Bis auf die Softwareupdates ist auch der Rest gut bis solide. Und wer sich nun fragt, wo denn eigentlich steht, ob sein eigenes Gerät einen zertifizierten Playstore hat, oder wo genau steht, von wann sein Security Patch ist, der kann diesen Punkt wirklich außer Acht.

Verglichen mit dem Z6 Lite würde ich sogar auf dieses Gerät zurückgreifen, da der Zuwachs an Performance und das bessere Design für mich höher wiegen, als die bessere Akkukapazität.

Daumen hoch, für ein tolles Gesamtpaket, dass einen mal einen Weg an Xiaomi vorbei aufzeigt.

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Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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