Smartphone Test | Lenovo Z6 Pro

Lenovo Z6 Pro


Bei all meinen Smartphonetests in den vergangenen Jahren wurde ich nicht müde, immer wieder zu betonen, dass kaum ein Nutzer den Vorteil eines Flagschiffs wirklich erkennen würde. Dies ist auch der Grund, warum hier in der Vergangenheit stets Mittelklasse- oder Einsteigermodelle vorgestellt wurden. Das Lenovo Z6 Pro ist dabei das erste Gerät auf dieser Seite, was wirklich als Flagschiff auf den Markt gebracht wurde, wenn auch 2019, und mittlerweile für knapp über 230 € als Import angeboten wird. Das ist ein Preis, der zwar knapp über meiner normalen Preisspanne von 200 € steht, aber der im Falle des Lenovo Z6 Pro gleichzeitig auch diverse Vorzüge, wie einen Flagschiffprozessor, Stereolautsprecherun und eine Telelinse verfügt.

Vorerwartungen

Mit dem Lenovo Z6 Pro steht nun bei Digitales für Einsteiger erstmals ein ehemaliges Flagschiff im Test. Ich war gespannt, ob sich die Performance des Snapdragon 855 wirklich bemerkbar machen würde, ob ich beim Design mehr als in der Mittelklasse geboten bekomme, ob dieses Lenovo endlich über Softwareupdates verfügt und wie sich am Ende die Kamera im Test behaupten würde, wo doch zahlreiche Tester ein wenig über den verbauten Hauptsensor skandierten.

Verpackungsinhalt

Allein die in schwarz gehaltene Verpackung des Lenovo Z6 Pro verheißt deutlich mehr Premium, als die sonst vorgestellte Mittelklasse. Lediglich das Meizu Pro 6 Plus oder das Meizu Pro 7 können hier in all meinen Tests bislang mehr aufbieten. Beide Tests waren aber vor meiner Zeit bei Digitales für Einsteiger. Der Karton ist in schwarz gehalten mit weißen und roten Schriftzügen. Außen herum ist nochmal ein weiterer Umschlag angebracht.

Neben dem Gerät finden sich in der Verpackung eine durchsichtige und verdunkelte Schutzhülle aus Silikon, eine Sim-Nadel, ein USB-C auf USB-C Ladekabel und ein passendes europäisches Netzteil mit einer maximalen Ausgangsleistung von 27 Watt. Beides ist passend in schwarz gehalten Zudem liegt den Gerät ein USB-C auf USB Adapter, sowie eine Schutzfolie bei. Die Kurzanleitung ist lediglich in englisch vorliegend. Weitere Registraturhinweise sind in 38 Sprachen vorliegend, darunter auch deutsch.

Die Farbe bei Netzteil und Ladekabel, sowie die Beschaffenheit der Verpackung vermitteln einem hier ein wertigeres Gefühl, als in der Mittelklasse. In der Summe liegen dem Gerät auch mehr Dinge bei.

Design und Verarbeitung

Das Lenovo Z 6 Pro misst 157,1 mm x 74,6 mm x 8,4 mm (9,1 mm an der herausstehenden Kamera) bei einem Gewicht von 186 g (inklusive Simkarte). Damit ist es das kompakteste Gerät seit dem Sharp Aquos S2 im vergangenen Juni. Die mitgelieferte Schutzhülle verschließt gut mit dem Gerät und hinterlässt keine Staubränder an der Kamera. Der Rahmen des Unibodys besteht aus Metall, die Rückseite aus Glas. Das Gerät fühlt sich wirklich hochwertig an und hat eine für mich angenehme Schwere in der Hand. Für mich persönlich stellt sich immer mehr ein 6,4 Zoll Gerät als die ideale Größe heraus. Das muss aber jeder für sich entscheiden.

Uns liegt im Test die schwarze Version des Geräts vor. Diese hat auf der linken Seite der Rückseite einen roten Farbakzent, der sich von oben nach unten zieht. Nicht nur ich finde das Gerät hierdurch optisch sehr ansprechend, sondern auch alle anderen, denen ich es im Testzeitraum gezeigt habe. Alternativ gibt es das Gerät auch in einer blau-grünen Variante, die aktuell aber nicht mehr erhältlich zu sein scheint.

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste und die Lautstärkewippe. Die Tasten sind aus Metall. Sie sitzen fest im Gehäuse und haben einen guten Druckpunkt. Auf der linken Seite befindet sich unten der Sim-Schlitten. Unten befindet sich der USB-Typ-C-Anschluss. Oben haben wir einen 3,5 mm Klinkenanschluss. Zudem verfügt das Gerät oben und unten über Stereolautsprecher.

Wo ich zuletzt dem Poco X3 NFC nicht bescheinigen konnte, dass es sich um ein filigranes Schmuckstück handelt, so tue ich das beim Lenovo Z6 Pro gerne und ohne zu zögern. Es ist vermutlich das wertigste Gerät, dass ich je im Test hatte.

Entsperrmechanismen

  • Codes: Ja
  • Fingerabruchsensor: Ja (im Display)
  • Face-Unlock: Nein

Auch wenn vorab konsultierte Testberichte dem Lenovo Z6 Pro Face-Unlock bescheinigt haben, so verfügt mein Gerät nicht mehr über diese Funktion. Meinen Recherchen nach, und so war es auch bei meinen vorher getesteten Lenovo Geräten, wurde dies über Smart Lock integriert, welches diese Funktion mittlerweile entfernt hat. Die vorhandenen Mechanismen funktionieren jedoch schnell und zuverlässig. Der im Display integrierte Fingerabruckleser ist der schnellste und zuverlässigste, den ich bislang im Test hatte. Dennoch stört es mich mittlerweile, dass Face-Unlock fehlt.

Display

Das 6,39 Zoll große Amoled Display im 19,5:9 Format löst in FullHD+ auf. Die Frontkamera verbirgt sich unter einer Tropfennotch. Die Bildwiederholfrequenz liegt bei 60 Hz. Als maximale Helligkeit konnte ich 632 Lux messen. Das ist ein toller Wert, der über 100 Lux über dem des Xiaomi Mi Note 10 Lite liegt. Die Schwarzwerte lassen sich ab 5 unterscheiden, die Weißwerte bis 253. Die Blickwinkelstabilität ist super. Im Multitouch werden alle zehn Finger erkannt.

Obwohl das Display über eine Allways-On-Funktion verfügt, ist diese jedoch nicht die gesamte Zeit an, sondern stellt sich erst beim anheben des Geräts an. Das schont natürlich den Akku, dennoch hätte ich gerne die Option, es die ganze Zeit anzulassen. Meizu konnte dies ja bereits im Jahr 2016.

Auch wenn im Jahr 2021 die Flagschiffe über eine Bildwiederholfrequenz von teilweise bis 144 Hz verfügen, so hat das Lenovo Z6 Pro ein tolles Display, dass eine schöne Farbdarstellung hat und ordentlich hell ist.

Software

Zum Zeitpunkt des Tests arbeitet das Lenovo Z6 Pro auf Android 9 Basis unter einer Lenovo hauseigenen UI in der Version 11.0.405 mit einem Sicherheitspatch vom 1. Oktober 2019. Verglichen mit dem hier vorgestellten Lenovo Z5s oder dem Lenovo Z6 Lite wurden hier jedoch reichlich Softwareupdates geliefert, allerdings war das letzte vom November 2019.

Abgesehen davon gefällt mir die UI jedoch gut. Sie ähnelt sehr an Stock Android und hat doch verschiedene zusätzliche Bedieneinstellungen. Die einstellbare Gestensteuerung unterscheidet sich von der, die die meisten anderen Anbieter nutzen. Alternativ kann man sich natürlich auch die Onscreentasten einblenden lassen.

Im Gegensatz zum Honor 9X Pro verfügt das Gerät jedoch über einen zertifizierten Google Playstore und auch alle Google Services funktionieren einwandfrei. Das DRM Security Level liegt auf L3, wodurch sich Videos auf Netflix oder Amazon Video nur in 720p streamen lassen.

Wer besonderen Wert auf die Aktualität der Software legt, für den ist das Lenovo Z6 Pro nichts. Ich rechne nicht mehr damit, dass noch weitere Updates auf das Gerät folgen werden. In Sachen Performance wird sich das in der Zukunft aber nicht schlecht machen. Denn aktuell habe ich das Gefühl, dass seit Android 10 viele Geräte schleppender laufen, als dies unter den Vorversionen mit weniger Performance der Fall war. Ich komme nicht umhin zu unterstellen, dass die UIs gezielt aufwendiger gestaltet werden, um die Kunden zum Kauf eines Neugeräts zu bewegen.

Performance

An dieser Stelle vertreibt das Lenovo Z6 Pro den bisherigen Primus, das Honor 9X Pro, mit fast 50 % mehr Antutupunkten vom ersten Platz der Rangliste. Der Snapdragon 855 aus dem Hause Qualcomm war 2019 nicht umsonst der Top Prozessor. Ihm zur Seite stehen 6 GB RAM.

Im Antutu Benchmark 8.5.2 erreicht das Gerät 434432 Punkte, was dem ersten Platz von 24 getesteten Geräten seit November 2019 entspricht. Auch im Geekbench 5 erreicht das Gerät 772 Punkte im Single-Core und 2746 Punkte im Multi-Core und verfügt somit auch hier um fast 50 % mehr Leistung, als der alte Primus.

Diese Performance merkt man auch in jeglicher Art von Nutzung, egal, ob im Alltag, bei längeren PDFs oder bei Spielen. Hier hat man nochmal ein deutlich flüssigeres Erlebnis. Dies führt sogar soweit, dass ich mich im Test mit Einsteigergeräten aktuell ein wenig in der Performance gestört fühle. Das hatte ich vorher nie.

Was man hier für 231 € bekommt, ist der Wahnsinn.

Lautsprecher

Sowohl in der Telefonie, als auch beim Musikhören über die Stereolautsprecher, liefert das Lenovo Z6 Pro eine wirklich tolle Leistung ab.

Die Stereolautsprecher kommen auf eine maximale Lautstärke von 95,6 dB und haben einen wirklich tollen Klang. Dabei fällt im Vergleich zu anderen Geräten auf, dass das, was laut klingen soll, auch lauter ist, als der Rest des Liedes.

Auch der Kopfhörerausgang bietet eine gute Lautstärke, die bei über 70 % meine Wohlfühlzone übersteigt. Allerdings fehlen hier die unter MIUI typischen Equalizereinstellungen. Allgemein kommt man hier auch in den Klangdetails nicht ganz an Xiaomi heran.

Die Telefonie hinterlässt einen guten Eindruck, der sich positiv von der Masse abhebt.

Kameras

Hauptkamera (Lowlight)

Das Lenovo Z6 Pro setzt auf einen 48 MP Hauptsensor (Samsung GM1 mit ƒ/1.8 Blende), eine 16 MP Weitwinkellinse (f/2.2 Blende), einen 8 MP Telelinse (f/2.2 Blende) und einer weiteren Unterstützungslinse für Hyper-Videos auf der Rückseite. Auf der Frontseite ist eine 32 MP Kamera mit einer Blende von f/2.0 verbaut.

Hauptkamera

Makromodus

Der Hauptkritikpunkt anderer Tester war die Tatsache, dass der Hauptsensor des Redmi Note 7, das preislich bei unter der Hälfte anzuordnen ist, hier in einem Flagschiff verbaut wurde. Im Grunde hat das Redmi Note 7 seiner Zeit aber keine schlechten Bilder gemacht. Ich weiß nicht, ob es der Prozessor oder die Software von Lenovo ist, aber das Z6 Pro holt hier aus der Linse (wenn es denn wirklich der gleiche Sensor ist) doch deutlich mehr heraus. Bei guten Bedingungen erreicht der Hauptsensor zwar nicht ganz das Poco X3 NFC, überbietet dies aber im Lowlight.

Zudem löst Lenovo Z6 Pro auch die Makroaufnahmen über eine Softwarelösung. Diese kommt dabei auf besser Ergebnisse, als bei der Großteil der Konkurrenz mit einer zusätzlicher Linse.

Wo man dann allerdings wieder oben mitspielt, ist bei der Ultraweitwinkellinse. Denn der hier verbaute Sensor ist bislang mein stärkster, den ich im Test hatte. Die zeigt sich durch gleichbehalten der Farben im Vergleich zur Hauptlinse, aber auch im geringeren Fisheyeeffekt und eine bessere Low Light Performance. Damit löst man in diesem Test das Xiaomi Mi 9T als bisherigen Testprimus in dieser Kategorie ab.

Ultraweitwinkel

Hauptkamera (Portraitmodus)

Die Telelinse bietet einen Mehrwert, erreicht meiner Meinung nach aber nicht das Niveau der im Xiaomi Mi 9T verbauten Linse, was die Zoomaufnahmen angeht. Sehr überzeugend ist sie jedoch in Zusammenarbeit mit der Hauptlinse bei Bokehaufnahmen.
Was die Videoaufnahmen angeht, so sehe ich, jedenfalls in der Stabilisierung, keinen Unterschied zur Konkurrenz. Akkustisch finde ich die Aufnahmen jedoch überzeugend. Die maximale Auflösung beträgt auf der Rückseite 4k, auf der Frontseite 1080p. Über die Bildwiederholrate liegen keine Informationen vor.

Die Frontkamera bietet hingegen eine tolle Leistung, ob mit Portraitmodus, oder ohne. Auch im Lowlight kann man sich hier durchaus behaupten.

Frontkamera (Portraitmodus)

Akkuleistung

Obgleich das Gerät mit dem Snapdragon 855 über einen sehr leistungsstarken Prozessor verfügt und der Akku mit 4000 mAh nicht die Größe der aktuellen Mittelklasse hat, so kommen wir doch auch im Jahr 2021 immer noch auf solide Akkuzeiten. Im direkten Vergleich konnte es im Mai 2019 alle anderen Flagschiffe in Sachen Akkuleistung hinter sich lassen.

Bei AkkuBattery komme ich als Testgerät auf eine Screen on Zeit von etwa 9 h. Die kombinierte Nutzungsdauer liegt bei 6,5 Tagen, wohlbemerkt als Testgerät. Auf mittlerer Helligkeit verbrauche ich für eine Stunde Youtube 8 %. Das ist immer noch ein guter Wert.

Das mittgelieferte 27 Watt Netzteil kann das Gerät leider nicht voll ausnutzen, sondern unterstützt maximal 18 Watt. So benötigt man für eine volle Ladung in etwa 1h 45 min.

Was im Jahr 2019 noch das Maß aller Dinge war, ist 2021 in der Akkuleistung nur noch knapp über dem Schnitt. Hier gilt dies aber für ein Flagschiff.

Konnektivitäten

Das Lenovo Z6 Pro ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: B1/B2/B3//B5/B7/B8/B20/B34/B38/B39/B40/B41. Eine Kompatibilität zu 5 G fehlt.

Das Gerät verfügt über einen Hybridslot. Man kann also entweder zwei Simkarten nutzen oder eine Simkarte und den Speicher per Micro SD Karte erweitern. Der interne Speicher beläuft sich auf 128 GB, von denen einem per Werk 114 GB GB zur Verfügung stehen. Allgemein ist die Option für eine Speichererweiterung bei einem Flagschiff hier positiv zu erwähnen. Die meisten Herstellern bieten dies bei ihren Flagschiffen nicht an.

Im WLAN Test kann ich vor dem Router die volle Bandbreite abrufen. Der GPS Empfang (GPS-Test) findet 53 Satelliten, von denen 44 benutzt werden und zu einer auf 4 m genauen Position kommen. Der Hardwarekompass funktioniert.

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss. Wie bereits oben erwähnt verfügt das Gerät über einen 3,5 mm Klinkenausgang. Eine Blutoothverbindung mit Zeblaze GTR und dem Xiaomi Mi Band 5 verlief problemlos.

Leider muss man bei dem Gerät auf NFC, einen Infrarotblaster oder eine Benachrichtungs LED verzichten. Benachrichtigungen werden stattdessen auf dem Allways-On-Display angezeigt.

Preis- und Preisleistung

Das Lenovo Z6 Pro konnte um den Jahreswechsel als Import aus Frankreich für um die 230 € erhalten werden. Aktuell ist es jedoch kaum noch zu erhalten.

Ich wäre zwar nicht bereit, die 470 € für das Gerät auszugeben, die es beim Release gekostet hat. Aber für den Preis von 231 € erhält man wiederum ein starkes Gesamtpaket, das für diesen Preis seines gleichen sucht: In Sachen Verarbeitung, Display, Performance und Lautsprecher hängt man dabei jegliche Konkurrenz für diesen Preis ab, auch wenn man 2021 den einen oder anderen Kompromiss eingehen muss. Fehlende Softwareupdates und fehlendes NFC sind für mich dabei die größten davon.

Kann man auf diese beiden zuletzt genannten Kritikpunkte verzichten, so hat man wirklich ein viel für sein Geld.

Fazit

Das Lenovo Z6 Pro ist ein tolles Gesamtpaket, dass noch immer in vielen Kategorien auf der Premiumschiene schwimmt. Das gilt, auch wenn man in Sachen Software Kompromisse machen muss und auch der Hauptkamerasensor sicher nicht mit den aktuellen Flagschiffen von Huawei, Apple oder Samsung mithalten kann. Das ändert aber nichts daran, dass man immer noch ein gutes Kameraerlebnis, auch im Jahr 2021 hat.

Man muss sich hier aber einmal vor Augen führen, was man alles an Komponenten und auch Flagschiffkomponenten für einen Preis von 231 € bekommt, ein Sechstel des Preises der aktuellen Flagschiffe.

Für mich selbst wäre der einzige Grund, es nicht selbst als Daily Driver zu verwenden, das Fehlen von NFC, das ich derzeit gerne zum kontaktlosen Zahlen verwende. Beim Rest überwiegen für mich die positiven Seiten vor den leichten Abzügen, vor allem natürlich die 1000 gesparten Euros.

Daumen hoch für ein 231 € Premiumerlebnis!


Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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