Smartphone Test | Poco X3 Pro

Vorerwartungen

Vor einem Jahr war es noch das Poco X3 NFC, das die Eröffnung in die Smartphonetests 2021 einläutete. Schaut man sich nun diesen Artikel an, so kommt man sich vor, als hätte man ein Déjà-vu. Denn an vielen Stellen gleicht das hier vorgestellte Poco X3 Pro nicht nur dem Namen nach.

Da ich das Gerät, in der großen Ausführung, allerdings im Rahmen der Black Friday Angebote für unter 200 € angeboten wurde, kam ich nicht umhin bei dem hier verbauten Snapdragon 860 zuzuschlagen. Was sollte hier auch schiefgehen?

Verpackungsinhalt

Die schwarze Verpackung mit gelber Rückseite und Schriftzügen verzichten auf Abbildungen des Geräts, sondern beschränkt sich auf den Namen, sowie die Bezeichnung der hier vorliegenden Ausführung. Grundsätzlich wirkt das Design dadurch edler, als bei den Redmi Modellen.

Die Verpackung beinhaltet, neben einer Danksagung von Kevin Qiu, dem Head of Poco Global, Garantiebedingungen und eine Kurzanleitung in 14 Sprachen, darunter auch deutsch. Es gibt ein Sim-Eject-Tool, eine Silikonschutzhülle in Transclear, ein USB-C- auf USB-A-Daten- und Ladekabel, sowie ein europäisches 33 Watt Netzteil. Eine Schutzfolie wurde im Vorwege angebracht. Außerdem liegen dem Gerät sieben Poco-Sticker bei.

Design und Verarbeitung

Wer beim Poco X3 Pro nach dem Elefanten im Porzellanladen sucht, der bekommt ihn in der Tatsache zu sehen, dass das Gerät ein quasi ein Elefant ist. Denn es ist ein großes und ein schweres Gerät.

Die Maße belaufen sich auf 165,0 mm x 76,5 mm x 9,3 mm (11,4 mm an der herausstehenden Kamera), bei einem Gewicht von 217 g (inklusive Simkarte). Damit gleichen die Werte in etwa der NFC-Variante aus dem Vorjahr. Und das war mir auch damals schon deutlich zu groß.

Die Rückseite liegt mir in Metal Bronze vor. Farblich gefällt mir das Gerät auch gar nicht schlecht, da es sich um eine schlichte und unauffällige Farbe handelt. Während der Rahmen des Geräts aus Metall ist, besteht die Rückseite aus Kunststoff, was sie nicht unanfällig für Fingerabdrücke macht. Alternativ gibt es das Gerät auch in einem Blau- und einem Schwarzton. Diese erhält man zwar häufiger, aber nicht günstiger.

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste, unter der sich auch der Fingerabdrucksensor verbirgt, sowie die Lautstärkewippe, die, wie der Rahmen, aus Metall sind. Beide Schalter sind sitzen bombenfest und haben einen guten Druckpunkt. Auf der linken Seite befindet sich der Einzug für den Simschlitten. Am unteren Ende haben wir den USB-C-Ausgang, sowie einen der beiden Stereolautsprecher und den 3,5 mm Klinkenanschluss. Am oberen Ende finden wir den Infrarotsensor. Für den Stereoempfang wird die Hörmuschel mitgenutzt.

Das Gerät ist nach IP53-Standard gegen Spritzwasser geschützt.

Entsperrmechanismen

  • Codes: Ja
  • Fingerabdrucksensor: Ja (seitlich)
  • Face-Unlock: Ja

Alle Mechanismen funktionieren super schnell und sehr zuverlässig.

Display

Das Poco X3 bedient sich eines 6,67 Zoll großem IPS LCD Display mit einer maximalen Bildwiederholfrequenz von 120 Hz im 20:9 Format. Die Auflösung liegt bei FullHD+. Die Frontkamera verbirgt sich hinter einem oben zentral gelegenen Punchhole.
Die Schwarzwerte lassen sich ab 6, die Weißwerte bis 253 unterscheiden. Im Multitouch werden alle zehn Finger erkannt. Als maximale Helligkeit konnte ich 361,7 Lux messen. Die adaptiver Helligkeit hat mir im gesamten Testzeitraum ausgereicht.

Verglichen mit der gesamten Redmi Note 10 Serie, die preislich ähnlich liegt, muss man hier auf ein Amoled Display verzichten, kann dafür aber eine doppelt so hohe maximale Bildwiederholfrequenz und eine größere Bildschirmdiagonale anbieten.

Software

Zum Zeitpunkt des Testberichts (11. Januar 2022) arbeitet das Poco X3 Pro auf Android 11 Basis, unter der hauseigenen MiUI in der Version 12.5.4, mit einem Sicherheitspatch vom 1. November 2021. Im Rahmen des Testzeitraums herhielt ich mehrere Updates.

Das DRM Widevine Level ist auf L1, wodurch sich Filme z.B. bei Netflix oder Amazon Video auf FullHD oder 4k streamen lassen.

Verschiedene Apps waren auf dem Gerät bereits vorinstalliert, lassen sich aber allesamt deinstallieren.

Performance

Die stärkste Kategorie des Poco X3 Pro ist ohne Zweifel die Performance. Hier liefert das Gerät mit seinen 8 GB RAM und dem Snapdragon 860 aus dem Hause Qualcomm in Kombination mit seinem 120 Hz Display wirklich hervorragend ab.

Im Antutu Benchmark in der Version 9 erreicht das Gerät 571036 Punkte und damit den zweiten Platz von bislang 13 getesteten Geräten. Im Geekbench 5 erreicht es 710 Punkte im Single-Core und 2782 Punkte im Multi-Core. Dies entspricht jeweils dem vierten bzw. dritten Platz, unter bisher 29 getesteten Geräten.

Die Alltagsperformance ist extrem flüssig. Auch den beim realme 8i genannten Fehler bei X2 Blocks kann man hier ignorieren. Ein bekannter deutscher YouTube-Tester würde sagen: „Die Kiste rennt!“

Lautsprecher

Die Stereolautsprecher sind die zweite große Stärke des Geräts und haben einen tollen Klang. Als maximale Lautstärke von 93,9 dBa messen, was jedoch niedriger, als beim Poco X3 NFC liegt.

Auch die Telefoniequalität hinterlässt einen guten Eindruck.

Der Kopfhörerausgang ist ausreichend laut. Allerdings wird er mir erst bei 85 % zu laut. Das ist bei anderen Geräten in der Regel früher der Fall, vielleicht lässt im Alter aber auch mein Gehör nach.

Im System lassen sich zudem verschiedene Equalizereinstellungen sowohl für die Medienlautsprecher, als auch verschiedene Kopfhörermodelle von Xiaomi einstellen.

Kameras

Hauptkamera

Hauptkamera im Low-Light

Das Poco X3 Pro setzt auf der Rückseite auf einen 48 MP Hauptsensor (Sony IMX582 Exmor RS, ƒ/1.79), eine 8 MP Ultraweitwinkellinse (unbekannt, f/2.2) einen 2 MP Makrosensor (unbekannt, f/2.4) und eine 2 MP Tiefenlinse (unbekannt, f/2.4). Auf der Frontseite ist eine 20 MP Kamera (Samsung S5K3T2, f/2.2) verbaut.

Die Hauptkamera liefert, gleich in welcher Situation, für einen Preis von unter 200 € eine wirklich gute Performance und muss sich hinter dem Redmi Note 10 oder dem Redmi Note 10s, in meinen Augen, nicht verstecken. Auch der Portraiteffekt in Kombination mit dem Tiefensensor sitzt gut.

Weniger angetan bin ich hingegen von der Weitwinkellinse. Hier habe ich den Eindruck, das diese in anderen Geräten aus dem Hause Xiaomi schon einmal besser war, insbesondere was die Schärfe angeht.

Gleiches gilt für die Makrolinse, die aber, mangels Nutzen, in meinen Testberichten aber zunehmend immer weniger Zeit geboten bekommt.

Ultraweitwinkel

Einen guten Eindruck hinterlässt wiederum die 20 MP Frontkamera aus dem Hause Samsung. Hier bekommt man gerade bei schwächeren Lichtbedingungen mehr geboten, als noch bei der NFC Variante.

Videos lassen sich, auf der Rückseite mit 4k und 30 FPs oder 1080p und 60 Fps aufnehmen. Auf der Frontseite muss man sich mit maximal 1080p und 30 Fps begnügen. Auf beiden Seiten ist die Tonqualität der Stimme in einer ordentlichen Lautstärke zu hören.

In der Summe ist das ein wirklich ordentliches Paket.

Frontkamera im Portraitmodus

Akkuleistung

Obgleich das Poco X3 Pro mit einem 5160 mAh großem Akku ausgestattet ist, verbraucht es in Kombination mit dem 120 Hz. IPS Display und dem starken Snapdragon 860 ordentlich an Saft.

Gemäß AccuBattery komme ich auf eine Bildschirm an Zeit von nur 6h 37min und einen kombinierten Verbrauch von 113h und 9min. Unter dieser Nutzung habe ich die adaptive Helligkeit bei voller Bildwiederholrate verwendet und zum Großteil gespielt. Unter 60 Hz habe ich das Gerät nicht getestet.

Besser sieht es beim Konsum von Videos aus. Für eine Stunde YouTube auf mittlerer Helligkeit verbraucht das Gerät 8 %. Das ist weiterhin ein guter Wert, auch wenn ich vereinzelt schon Geräte mit 6 % pro Stunde im Test hatte.

Mit dem mitgelieferten 33 Watt Netzteil lädt das Gerät in 35 min um 62 % auf. Bei einer Hochrechnung wäre es also in unter einer Stunde von 0-100 % geladen.

Konnektivitäten

Das Poco X3 Pro ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 20, 28, 38, 40, 41. Ein Kompatibilität zu 5G fehlt.

Das Gerät verfügt über einen Hybridslot. Man kann also gleichzeitige zwei Simkarten nutzen oder eine Simkarte plus eine Speichererweiterung per Micro SD Karte verwenden. Der interne Speicher beläuft sich auf 256 GB, von denen per Werk 233,6 GB frei zur Verfügung stehen. Eine Variante mit nur 128 GB Festspeicher und 6 GB RAM kostet in der Regel 20 € weniger, wodurch ich den Aufpreis in jedem Fall zahlen würde, da man gleichzeitig auch mehr RAM erhält.

Extrem stark ist der WLAN Empfang, der per App Speedtest auch auf ein Stockwerk höher noch auf den vollen Empfang zugreifen kann

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet auf meiner Loggia 34 Satelliten, von denen 17 benutzt werden und zu einer auf 4 m genauen Position kommen. Das hingegen schaffen andere Geräte schneller und präziser. Der Hardwarekompass funktioniert.

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss. Wie bereits oben erwähnt verfügt das Gerät über einen 3,5 mm Klinkenausgang. Eine Blutooth Verbindung mit dem Anker Soundcore Boost und der Zeblaze GTS Pro funktionierte einwandfrei.

Das Gerät ist zudem NFC-fähig, was ebenfalls bei der Kopplung mit dem Anker Soundcore Boost nachgewiesen werden konnte. Damit ist es ebenfalls zum kontaktlosen Bezahlen geeignet.

Das Gerät verfügt über eine Benachrichtigungs LED und einen Infrarotsensor. Durch letzteres kann das Gerät also als Fernbedienung für Beamer oder Fernseher agieren.

Preis- und Preisleistung

Das Poco X3 Pro konnte man im Rahmen des Black Friday an mehreren Stellen für unter 200 € erhalten. In der Regel liegt der Preis bei 230-250 €.

Auch ohne Angebote ist dies ein sehr starkes Gesamtpaket. Die Stärken des Geräts liegen dabei in der Leistung, den Lautsprechern und der Bildwiederholfrequenz.

Fazit

Wer sich das Gerät madig machen will, der kann eigentlich nur auf die großen Dimensionen verweisen. Ansonsten erhält man in dem Preissegment eine nicht vergleichbare Performance, tolle Lautsprecher, ein regelmäßig geupdatetes Softwaresystem und einen gewaltigen Speicher.

Gerade, wer ein Smartphone für ein Heranwachsenden möchte, wird hier sicher glücklich, während alle bislang angesprochenen Damen, inklusive meiner Mutter, das Gerät das Gerät als deutlich zu schwer ablehnten. Aber vielleicht kommt die Emanzipation ja auch irgendwann bei schweren Smartphones an?


Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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