Smartphone Test | Poco X3 NFC by Xiaomi

Poco X3 NFC by Xiaomi

Vorerwartungen

Für unter 190 € und damit für 80 € weniger, als mein eigens verwendetes Xiaomi Mi Note 10 Lite, bietet das Poco X3 NFC auf dem Datenblatt eine durchaus vergleichbare Ausstattung.

Denn für diesen Preis erhält man einen Snapdragon 732G als Prozessor, einen starken Sensor der Hauptkamera aus dem Hause Sony, einen über 5000 mAh großen Akku, Stereolautsprecher und nicht zuletzt ein 120 Hz Display. Besonders auf letzteres war ich gespannt, da ich bislang nur 60 Hz Geräte im Test hatte.

Ob ich nun am Ende lieber auf das Poco X3 NFC gewartet hätte, oder ob es sich doch lohnt, die 80 € mehr zu zahlen, das erfahren Sie in diesem Test.

Verpackungsinhalt

Während die untere Hälfte des Kartons in gelb gehalten ist, so ist der Deckel schwarz und enthält auf vielen Seiten gelbe Aufschriften mit dem Namen des Smartphones. Die Informationen zum Gerät wurden in weiß geschrieben.

Neben dem Gerät finden sich in der Verpackung eine durchsichtige Schutzhülle aus Silikon (die eine Klappe für den USB-Anschluss besitzt), eine Sim-Nadel, ein USB-C-Ladekabel und ein europäisches Netzteil mit einer maximalen Ausgangsleistung von 33 Watt. Vorab wurde auf dem Gerät eine Schutzfolie blasenfrei angebracht, die zuletzt getesteten Geräten durchaus überlegen ist. Die Kurzanleitung liegt in 14 Sprachen vor, darunter auch deutsch.

Verglichen mit anderen Geräten bekommt man hier eine wertigeres Schutzhülle, eine ordentliche Schutzfolie und ein 33 Watt Netzteil geboten.

Design und Verarbeitung

Das Poco X3 NFC misst 165 mm x 76,8 mm x 9,7 mm (11,6 mm an der herausstehenden Kamera) bei einem Gewicht von 215 g (inklusive Simkarte). Damit ist es ein großes und ein schweres Gerät. Für mich sind genau diese Maße der Elefant im Raum, warum ich dieses Smartphone selbst nicht als Daily Driver verwenden würde.

Die mitgelieferte Schutzhülle hat dabei eine runde Aussparung und lässt daher ober- und unterhalb der Kamera ein Fläche aus, also den zu sehenden Kreis.

Der Rahmen des Unibodys besteht aus Metall, die Rückseite aus Kunststoff. Die Wertigkeit ist dabei aber ähnlich dem Redmi Note 9, also deutlich über dem klassischen Plastikbomber. Wer eine Schutzhülle nutzt, der wird sich ohnehin keine Gedanken über die Wertigkeit des Geräts machen, zumal man genug Gewicht in der Hand hat.

Die mir vorliegende Farbe bezeichnet der Hersteller als Cobalt Blue, also blau. Diese ist durchaus gelungen. Der mittlere Teil des Geräts ist von oben nach unten schraffiert, ähnlich dem Redmi Note 9 Pro. Hierin wurde am unteren Ende der Schriftzug POCO eingebunden. Insgesamt gefällt mir diese durchgehende Schraffierung aber deutlich besser, als noch Redmi Note 9 Pro. Alternativ erhält man das Gerät auch in schwarz. Die Preise beider Farben sind dabei gleich.

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste (mit integriertem Fingerabdrucksensor) und die Lautstärkewippe. Die Tasten sind aus Metall. Sie sitzen fest im Gehäuse und haben einen guten Druckpunkt. Auf der linken Seite befindet sich der Sim-Schlitten. Unten befindet sich der USB-Typ-C-Anschluss, sowie der 3,5 mm Klinkenanschluss. Oben haben wir einen Infrarotsensor. Zudem verfügt das Gerät oben und unten über Stereolautsprecher.

Das Poco X3 NFC ist ohne Zweifel kein filigranes Schmuckstück, darüber sollte man sich im Klaren sein, aber ordentlich verarbeitet. Wer hierauf aber keine Wert legt, weil ihn das Gewicht nicht stört, oder weil er eh immer Schutzhüllen nutzt, den wird das kaum stören.

Entsperrmechanismen

  • Codes: Ja
  • Fingerabruchsensor: Ja (seitlich)
  • Face-Unlock: Ja

Alle Entsperrmechanismen funktionieren zuverlässig und in der Geschwindigkeit, die man von dem Prozessor erwarten kann. Der seitliche Fingerabdrucksensor braucht sich dabei nicht vor guten Sensoren auf der Rückseite verstecken.

Display

Das 6,67 Zoll große IPS LCD Display im 20:9 Format löst in FullHD+ auf. Die Frontkamera verbirgt sich in einem zentralen Punchhole. Als Highlight bietet es eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hz. Auf den Nutzen oder Nichtnutzen hiervon werde ich unter dem Punkt Performance eingehen.

Bei maximaler Helligkeit konnte ich bei 372,4 Lux messen. Die Schwarzwerte lassen sich ab 6 unterscheiden, die Weißwerte bis 252. Diese Werte müssen sich leider sogar hinter dem Redmi Note 9 einordnen. Die Blickwinkelstabilität ist dennoch super. Im Multitouch werden alle zehn Finger erkannt.

Abgesehen von der Bildwiederholfrequenz sind die Werte leider unter dem, was Xiaomi bzw. Redmi in dieser Preisklasse sonst zu bieten hat. In meiner Nutzung auf mittlerer Helligkeit ist mir dies aber nie negativ aufgefallen.

Software

Zum Zeitpunkt des Tests arbeitet das Poco X3 NFC auf Android 10 Basis unter der hauseigenen MIUI in der Version 12.0.7 mit einem Sicherheitspatch vom 1. November 2020. Im Rahmen des Testzeitraums wurde das Gerät bereits mehrmals geupdated.

MIUI ist dabei eine gute Benutzeroberfläche mit vielen individuellen Einstellungsmöglichkeiten, die regelmäßig und lange mit Updates versorgt wird.

Das DRM Security Level liegt auf L1, wodurch sich Videos auf Netflix oder Amazon Video in FullHD streamen lassen.

Performance

Wie schon beim Xiaomi Mi Note 10 Lite überzeugt die Kombination aus 6 GB RAM und dem hier etwas neueren Snapdragon 732G aus dem Hause Qualcomm auch beim Poco X3 NFC.

Im Antutu Benchmark 8.4.9 errreichen wir 284889 Punkte, was dem dritten Platz von 23 getesteten Geräten seit November 2019 entspricht. Im Geekbench 5 kommt das Gerät auf 565 Punkte im Single-Core und 1783 Punkte im Multi-Core. In beiden Benchmarks sind die Werte somit leicht über denen des Xiaomi Mi Note 10 Lite.

In der Alltagsnutzung wirkt das Poco X3 NFC durch die hohe Bildwiederholfrequenz nochmal ein wenig flüssiger. Allerdings gibt es immer wieder Stellen, an denen der Prozessor wohl nicht ganz hinter dieser hinterher kommt, so dass der eine oder andere kurze Ruckler an ladeintensiveren Stellen zu bemerken ist. In der Summe ist es dadurch zum Teil flüssiger, zum Teil auch nicht, als das vergleichbare Xiaomi Mi Note 10 Lite. Wir reden hier aber immer noch auf einem Niveau von über 250000 Antutupunkten. Ich kann hier nur den grundsätzlichen Mehrwert in der Performance durch die Bildwiederholfrequenz nicht allgemein bestätigen.

Spiele, wie Backgammon, Shadowgun Legend oder Domino laufen auf jeden Fall flüssig. Bei PDFs hängt der Vorteil in der Scrollgeschwindigkeit dann wieder von der Länge des Dokuments ab. Ist das Dokument kürzer hat man einen Vorteil, bei längeren Dokumenten wiederum nicht.

In der Summe muss man hier aber mindestens eine Ebenbürtigkeit zur hauseigenen Konkurrenz attestieren und das für 80 € weniger. Das ist toll.

Lautsprecher

Sowohl in der Telefonie, als auch beim Musikhören über die Stereolautsprecher liefert das Poco X3 NFC eine wirklich tolle Leistung ab.

Die Stereolautsprecher kommen auf eine maximale Lautstärke von 97,1 dB und haben einen wirklich tollen Klang. Stereo ist hier wirklich mehr wert.

Die Telefonie ist lauter und klarer, als bei vielen anderen Geräten und auf einer ganz anderen Dimension, wie bei dem zuletzt getesteten Honor 9X Pro. Auch allgemein ist diese Kategorie zu loben.

Der Kopfhörerausgang bietet die bei MIUI üblichen Equalizereinstellungen und bietet eine gute Lautstärke, die bei 80 % meine Wohlfühlzone übersteigt.

Kameras

Hauptkamera

Das Poco X3 NFC setzt auf einen 64 MP Hauptsensor (Sony IMX682 Sensor mit ƒ/1.89 Blende), eine 13 MP Weitwinkellinse (f/2.2 Blende), einen 2 MP Tiefensensor (f/2.4 Blende) und eine 2 MP Makrokamera (f/2.4 Blende). Ich habe dabei den Eindruck, dass der Haupt- und Weitwinkelsensor in ihrer Qualität knapp über dem Redmi Note 9 Pro, aber ebenso knapp unter dem Xiaomi Mi Note 10 Lite liegen.

Ultraweitwinkel

Im Lowlight bin ich mit der Leistung dann leider nicht mehr so zufrieden, kann aber nicht genau einschätzen, ob ich einfach in zu dunkler Umgebung unterwegs war, oder ob hier seinerzeit das Redmi Note 8 Pro sogar die Nase vorne hatte.

Lowlight

Frotnkamera im Portraitmodus

Beim Makrosensor bin ich auch beim Poco X3 NFC nicht sicher, ob dieser wirklich einen Mehrwert liefert, denn mit dem Hauptsensor kriegt man sicher ähnliche und vermutlich sogar bessere Aufnahmen hin. Eine richtige Qualitätseinschätzung kann ich daher auch zu dieser nicht geben.

Richtig gut, wie bei so ziemlich jedem Xiaomi Gerät seiner Preisklasse ist wieder die Frontkamera. Da überzeugt auch das Poco X3 NFC wieder. Ob mit oder ohne Portraitmodus erhält man schöne aufnahmen.

Videos lassen sich auf der Frontseite bis zu 1080p mit 30 FPS aufnehmen, auf der Rückseite bis zu 4k mit 30 Fps oder 1080p mit 60 Fps. Gute empfinde ich dabei die Tonqualität der Audioaufnahme.

Die Kameraleistung ist gut, auch wenn sie in der Summe wohl hinter dem Xiaomi Mi Note 10 Lite bleibt. Einen Aufpreis von 80 € wäre ich dafür aber eigentlich nicht bereit zu zahlen.

Akkuleistung

Top ist, wie bei jedem Gerät aus dem Hause Xiaomi in diesem Jahr, die Akkuleistung. Der 5160 mAh großem Akku kommt in der Kombination mit dem Snapdragon 732G auf tolle Werte.

Bei AkkuBattery komme ich auf eine Screen on Zeit von 17 h 32 min und eine kombinierte Nutzungsdauer von fast 10 Tagen. Auch wenn es sich hierbei nur um die Nutzung als Testgerät handelt, so sind es auf jeden Fall die besten Werte, die ich bislang im Test hatte. Auf mittlerer Helligkeit verbrauche ich für eine Stunde Youtube 6 %. Das ist super, auch wenn hier natürlich das weniger helle Display zu Gute kommt.

Mit dem 33 Watt Netzteil komme ich in unter einer Stunde von 20 auf 100 %.

Allesamt sind das tolle Werte.

Konnektivitäten

Das Poco X3 NFC ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: B1/B2/B3/B4/B5/B7/B8/B20/B38/B40/B41. Eine Kompatibilität zu 5G fehlt jedoch.

Das Gerät verfügt über einen Hybridslot. Man kann also entweder zwei Simkarten nutzen oder eine Simkarte und den Speicher per Micro SD Karte erweitern. Der interne Speicher beläuft sich auf 64 GB, von denen einem per Werk 44,3 GB zur Verfügung stehen. Von dem Gerät existiert auch eine Version mit 128 GB Speicher. In der Vergangenheit wurde hierfür zumeist ein Aufpreis von 20-30 € verlangt. Aktuell bekommt man die größere Version auf häufig für weniger Geld angeboten.

Im WLAN messe ich die folgenden Werte (1: direkt vor dem Router; 2: ein Zimmer daneben; 3: auf dem Dach; Werte in Mbit/s bei einer Übertragungsrate von maximal 102,6 Mbit/s im Download / 36,1 Mbit/s Upload):

  1. D: 78,7 / U: 25,9
  2. D: 55,2 / U: 24,5
  3. D: 10,9 / U: 3,55

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet 35 Satelliten, von denen 24 benutzt werden und zu einer auf 3 m genauen Position kommen. Der Hardwarekompass funktioniert.

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss.Wie man dem Namen des Geräts entnehmen kann, so ist das Gerät NFC-fähig, was ich auch durch Kopplung mit den Anker Soundcore Boost überprüft habe. Hauptsächlich ist diese Funktion aber natürlich für das bargeldlose Zahlen interessant. Wie bereits oben erwähnt verfügt das Gerät über einen 3,5 mm Klinkenausgang. Die Blutoothverbindung (5.0) mit der Zeblaze GTR verlief problemlos. Das Gerät verfügt zudem über einen Infrarotblaster. Man kann es also z.B. als Fernbedienung für den Fernseher, einen Beamer oder die Stereoanlage verwenden. Außerdem hat das Gerät eine weiße Benachrichtigungs LED.

Preis- und Preisleistung

Das Poco X3 NFC erhält man  bereits für unter 200 € als Import bzw. für zwischen 220-250 € aus Deutschland.

Sehe ich jetzt einmal davon ab, dass mir das Gerät zu schwer ist und das Display etwas heller sein könnte, so überzeugen alle anderen Kategorien auf voller Linie. In den Bereichen Performance und Lautsprecher hat man gar vor dem Xiaomi Mi Note 10 Lite die Nase vorn, ohne dabei in Kamera und Akkuleistung stark nach unten auszuschlagen. Außerdem lässt sich der Speicher erweitern.

Man muss sich also fragen, ob man lieber 80 € sparen, die besseren Lautsprecher und die leicht bessere Performance haben möchte oder das schönere Design und ein Amoled Display. Ich denke, da ist man im Preisleistungsverhältnis mindestens auf gleicher Höhe, wie der Vergleichspartner.

Fazit

Das Poco X3 NFC bietet ein starkes Preisleistungsverhältnis. Wer mit der Größe leben kann, der macht hier nichts falsch. Ob man bereit ist, mehr Geld für ein Amoled Display zu zahlen, muss man dann am Ende selbst entscheiden.

Für mich ist es aber tatsächlich die Größe, die mich von dem Gerät abschrecken würde und warum ich mit dem Xiaomi Mi Note 10 Lite die für mich bessere Wahl getroffen habe.


Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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