Smartphone Test | OnePlus Nord N10

OnePlus Nord N10

Vorerwartungen

Erstmals steht heute in unseren Smartphonetests ein Gerät des Labels OnePlus im Fokus. Hierbei handelt es sich um das OnePlus Nord N10. Das in vielen Tests kritisierte Gerät konnte im Rahmen des Amazon Prime Days zwischenzeitlich für unter 162 € erstanden (statt ehemals 350 € UVP) erstanden werden und wurde bereits 30 Minuten später im Angebotspreis wieder auf 223 € raufgesetzt.

Neben dem Markennamen OnePlus, den man für einen chinesischen Mittelklassepreis erhalten hat, bietet das Gerät, mit dem Snapdragon 690 aus dem Hause Qualcomm einen 5G-fähigem Prozessor, eine 64 Megapixel Hauptkamera und ein 90 Hz IPS Display. Damit wirkte es auf dem Blatt schon mal als guter Deal.

Wie schon zuvor beim realme 8 war ich auch hier gespannt, ob sich das Gerät im Test als der Schnäpper herausstellte, den wir dafür erwarteten.

Verpackungsinhalt

Die schwarze Verpackung zeigt an der Oberseite blaue Schriftzügen mit „N10“. Zudem wurde an mehreren Seiten der Name OnePlus bzw. deren Logo eingestanzt. Auf der Rückseite finden sich Informationen zur Farbe und der Speicherausstattung, obgleich es von dem Gerät meiner Meinung nur eine Variante gibt. Grundsätzlich hinterlässt die Verpackung einen wertigeren Eindruck, als die normale Mittelklasse.

Die Verpackung beinhaltet: eine, wie ein langgezogener Smiley aussehende, Simnadel, die Kurzanleitung und Sicherheitshinweise in sechs Sprachen (darunter jeweils deutsch), ein rotes USB-C auf USB-A Daten- und Ladekabel (weiß an den Enden) und als ein europäisches 30 Watt Netzteil.

Damit verzichtet OnePlus auf die sonst übliche Silikonhülle und eine vorangebrachte Schutzfolie. In der Summe ist das weniger, als ein Redmi Note 10 oder ein realme 8 geboten haben.

Design und Verarbeitung

Das OnePlus Nord N10 misst 163,2 mm x 74,5 mm x 8,8 mm (10,5 mm an der herausstehenden Kamera) bei einem Gewicht von 192 g (inklusive Simkarte). Damit ist es größer und schwerer, als beide vorgenannten Konkurrenten, was aber auch dem größeren Display verschuldet ist.

Der Rahmen und die Rückseite sind aus Kunststoff. Dieses fühlt sich aber wertiger an, als bei der Konkurrenz, ähnlich wie dies z.B. beim Honor 9X Pro der Fall war. Uns lag das Gerät in Midnight Ice vor, was einem dunklen Blauton entspricht. Alternative Farben gibt es unserer Recherche nach nicht. Den Farbton ist gelungen und vor allem individuell. Allgemein entsteht der Eindruck, dass sich das Gerät wertiger anfühlt, als das Redmi Note 10 oder das realme 8, trotz des fehlenden Metallrahmens. Vor allem ist es ein geringerer Fingerabdruckmagnet, als andere glitzernde Kunststoffgeräte. Im Rahmen des Testzeitraums blieb das Gerät frei von Kratzern auf Front- und Rückseite.

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste, während die Lautstärkewippe zusammen mit dem Simschlitten auf der linken Seite liegt. Beide Schalter sind aus Kunststoff, sitzen aber bombenfest und haben einen guten Druckpunkt. Oben und unten befinden sich jeweils ein Mikrofon und Lautsprecher. Am unteren Ende haben wir zudem eine 3,5 mm Klinkenanschluss und den USB-C-Ausgang. Den Fingerabdrucksensor finden wir, im Jahr 2021 eher altbacken, auf der Rückseite.

Wie schon beim Oppo A52 liegen hier Lautstärkewippe und Power Taste nicht auf der gleichen Seite. Hier sollte man überlegen, ob einen das stört, oder man die Lage so sogar besser findet. Ich selbst finde das ungünstig, das ich beim Abstellen in einen Ständer immer Gefahr laufe eine der Tasten zu drücken.

Alles in allem geht die Verarbeitung aber vollkommen in Ordnung, ohne, abgesehen von der Farbe, besonders herauszustechen.

Entsperrmechanismen

  • Codes: Ja
  • Fingerabdrucksensor: Ja (Rückseite)
  • Face-Unlock: Ja

Während die Gesichtserkennung dem Prozessor entsprechend schnell arbeitet und sich auch nicht durch Fotos austricksen lässt, könnte der Fingerabrucksensor, gerade für einen, der auf der Rückseite liegt, etwas schneller operieren. Zuverlässig ist aber auch er.

Display

Das 6,49 Zoll große IPS Display im 20:9 Format löst in FullHD+ auf. Die Frontkamera verbirgt sich unter einem Punchhole links oben. Die maximale Bildwiederholfrequenz liegt bei 90 Hz.

Als maximale Helligkeit ließen sich 392 Lux messen. Damit kommt das IPS Display, wie zu erwarten, nicht an die Helligkeit der Amoled Displays vom realme 8 oder Redmi Note 10 heran. Die Schwarzwerte lassen sich ab 5 unterscheiden, die Weißwerte bis 253. Im Multitouch werden alle zehn Finger erkannt.

Damit haben wir hier ein solides Mittelklasse-IPS-Panel mit einer erhöhten maximalen Bildwiederholfrequenz.

Software

Zum Zeitpunkt des Tests (24.07.2021) arbeitet das OnePlus Nord N10 auf Android 10 Basis unter dem hauseigenen Oxygen OS in der Version 10.5.13, mit einem Sicherheitspatch vom 5. Mai 2021. Im Rahmen des zweiwöchigen Testzeitraums herhielt das Gerät bereits ein Sicherheitsupdate. Von einem Systemupdate auf Android 11 ist nicht auszugehen.

Wie auch bei den anderen beiden Geräten des Oppo Konzerns lassen sich Symbole, Bedienelemente und Schnellleiste, sowie der Hintergrund individualisieren. Außerdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Gestensteuerung. Das hat mir uns gut gefallen.

Allgemein funktionieren hier die Sicherheitsupdates, allerdings ist man nicht mit der neuesten Android Version unterwegs und hat offenbar auch keine Aussicht mehr hierauf.

Performance

Wo man deutlich mehr zu bieten hat, als die Konkurrenz des Redmi Note 10 oder des realme 8, ist in der Performance. Der Snapdragon 690 aus dem Hause Qualcomm, mit seine 6 GB RAM setzt sich hier nicht nur in den Benchmarks, sondern auch in der Alltagsperformance merklich ab.

Der Antutu Benchmark in der Version 9.0.10 läuft hier mal wieder durch und erzielt 337272 Punkte, was dem zweiten Platz unter bislang sechs getesteten Geräten entspricht. Im Geekbench 5 erreicht das Gerät 607 Punkte im Single-Core und 1831 Punkte im Multi-Core. Dies entspricht jeweils dem zweiten bzw. dritten Platz unter bislang 23 getesteten Geräten.

Spiele, wie Asphalt 9, Breakneck, oder einfach Backgammon laufen flüssig. Auch das Lesen langer PDFs ist sehr zügig möglich.

Hervorzuheben ist für das OnePlus Nord N10 in jedem Fall der Zugewinn durch das 90 Hz Display. Denn wo wir beim Poco X3 NFC noch kritisiert haben, dass man an einigen Stellen Performance durch die höhere Bildwiederholfrequenz verliert, hinterlässt die erhöhte Bildwiederholfrequenz hier stets einen flüssigeren Eindruck.

Lautsprecher

Einen schönen Eindruck hinterlassen auch die Lautsprecher. Die Stereowiedergabe bietet ein schönes Klangerlebnis, auch wenn man nicht ganz an das Redmi Note 10 oder Poco M3 herankommt. Denn ab einer Lautstärke von über 90 dBa fängt man hier langsam an zu blechern. Als maximale Lautstärke konnte ich 93,4 dBA erreichen. Dennoch hat man hier einen deutlichen Mehrwert durch das Stereoerlebnis.

Die Telefoniequalität ist normal bis leicht besser, ohne sich deutlich von der Konkurrenz abzuheben.

Der Kopfhörerausgang wird mir bereits bei 60 % der Lautstärke zu laut. Das ist ebenfalls wirklich gut.

Zudem kann man diverse Equalizereinstellungen manuell durchführen. OnePlus nennt dies Direct Audio Tuner. Weiter gibt es verschiedene Einstellungsmöglichkeiten für die Bedienung über Kopfhörer.

Alles in allem sind die Lautsprecher gut und positiv hervorzuheben.

Kameras

Hauptkamera

Das OnePlus Nord N10 setzt auf einen 64 MP Hauptsensor (Spectra 355L mit ƒ/1.72 Blende), einen Ultraweitwinkelsensor 8 MP (f/2.3 Blende) eine 2 MP Makrolinse (GC gc02m1 mit f/2.4 Blende) und einen 5 MP Teifensensor (ƒ/ 2.4) auf der Rückseite. Auf der Frontseite ist eine 16 MP Kamera (f/2.2) verbaut.

Ultraweitwinkel

Wenn wir mit dem negativen beim Kameraerlebnis anfangen wollen, dann ist hier zunächst der sehr schwache Ultraweitwinkelsensor zu nennen. Denn dieser verliert deutlich an Schärfe und Farbechtheit gegenüber dem wirklich guten Hauptsensor.

Hauptkamera im Lowlight

Bokehaufnahme

Dieser hingegen kommt an vielen Stellen, besonders bei guten Lichtbedingungen, durchaus auch mal an das Xiaomi Mi Note 10 Lite heran. Werden die Belichtungsverhältnisse schwächer, so baut er aber deutlich schneller ab. Der Nachtmodus bietet hier aber eine gute Unterstützung und wertet das Bild dann deutlich auf.

Schön werden dann auf jeden Fall wieder die Bokehaufnahmen in Kombination mit dem 5 MP Tiefensensor. Hier gelingt es den Vordergrund schön vom Hintergrund hervorzuheben, sofern man gute Lichtverhältnisse hat.

Die Makrolinse kommt nicht ganz an die beste Aufnahme mit dem Redmi Note 10 heran, bietet aber durchaus auch einen Mehrwert, wie man an der anliegenden Schnecke sieht.

Makroaufnahme

Eine richtig positiven Eindruck hinterlässt auch die Frontkamera. Insbesondere gefällt uns hier, dass auch mehrere Personen fokussiert werden können und Details im Hintergrund zu erkennen sind. Auch hier funktioniert der Portraitmodus wiederum gut.

Videos lassen sich auf der Hauptkamera mit bis zu 4k/30Fps oder 1080p/60Fps aufnehmen, auf der Frontkamera ebenfalls mit stolzen 1080p/60 Fps. Die Ergebnisse lassen sich sehen und hören sich zudem auch gut an. Ein wenig umständlich finde ich es hier die Auflösung zu verändern, da diese erst in der dritten Ebenen des Einstellungsmenüs einstellbar sind.

Auch mit den Abstrichen beim Ultraweitwinkel und Lowlight hinterlässt das OnePlus Nord N10 hier doch in der Summe einen leicht besseren Eindruck als das Redmi Note 10 oder dem realme 8. Das ist aber kein großer Sprung.

Akkuleistung

Wider Erwarten, muss sich das OnePlus Nord N10 in Sachen Akkuleistung nicht hinter dem realme 8 verstecken. Der Snapdragon 690 mit seinem nur 4300 mAh großen Akku bietet durchaus vergleichbare Zahlen.

Der Akkutest mit AkkuBattery liefert bei adaptiver Helligkeit eine Screen-On-Zeit von 10:23 und einen kombinierten Verbrauch von 151 h 42 min, wohlbemerkt als Testgerät. Damit sollte man aber immer noch auf zwei Tage Akkulaufzeit kommen.

Für eine Stunde Youtube auf mittlerer Helligkeit verbraucht das Gerät 9 %. Das ist in Ordnung, bleibt aber hinter der hier mehrfach zitierten Konkurrenz.

Mit dem mitgelieferten 30 Watt Netzteil lädt das Gerät unter 65 min vollständig auf.

Konnektivitäten

Das OnePlus Nord N10 ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: 1/2/3/4/5/7/8/12/17/20/28/38/40/41/66/78. Es ist zudem als erstes hier getestetes Smartphone 5G-fähig, was mangels fehlendem Vertrag allerdings nicht näher untersucht werden kann.

Das Gerät verfügt über einen Hybridslot. Man kann also gleichzeitig zwei Simkarten nutzen oder eine Simkarte verwenden und den Speicher zusätzlich per Micro SD Karte erweitern. Der interne Speicher beläuft sich auf 128 GB, von denen per Werk 105,17 GB frei zur Verfügung stehen. Alternative Speicherausbaustufen konnten wir nicht finden.

Im WLAN Test kann das Gerät auch vor dem Router nur die halbe Bandbreite im Download und ein Drittel im Upload abrufen. Bei weiterer Entfernung verliert es nochmal leicht, was für mich darauf hindeutet, dass es im 2,4 GHz Netz bleibt.

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet auf meiner Loggia 71 Satelliten, von denen 32 benutzt werden und zu einer auf 3 m genauen Position kommen. Allerdings hat dies ein wenig gedauert, bis man die Position so genau ermittelt hat. Der Hardwarekompass funktioniert.

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss. Wie bereits oben erwähnt verfügt das Gerät über einen 3,5 mm Klinkenausgang. Eine Blutooth Verbindung mit dem Anker Soundcore Boost und der Zeblaze GTS Pro funktionierte einwandfrei.

Das Gerät ist NFC-fähig, was durch eine Verbindung mit dem Anker Soundcore Boost auch nachgewiesen werden konnte.

Eine Benachrichtigungs LED liegt nicht vor.

Preis- und Preisleistung

Im Rahmen des Amazon Prime Days konnte man das OnePlus Nord N10 für 161,66 € (inklusive Versand) beziehen. Der normale Preis liegt aktuell etwa zwischen 220-250 €.

In der Summe ist es dabei durchaus mit dem Redmi Note 10 oder realme 8 zu vergleichen. Für den Preis des Prime Days ist es dabei sicher der beste Deal der drei Geräte, wobei unsere Empfehlung ist, nicht mehr als 40 € im Vergleich zu beiden Konkurrenten zu bezahlen.

Wer ein Gerät für unter 200 € sucht, der sollte die drei genannten Geräte ins Auge fassen und einfach schauen, welche Kategorie für einen am wichtigsten bzw. für welchen Preis man die drei Geräte gerade erhält. Zufrieden wird man mit allen drei sein.

Fazit

Für 161,66 ist das OnePlus Nord N10 ein großartiger Deal, während man für 350 in der Tat die Hände davon lassen sollte.

Verglichen mit dem Redmi Note 10 oder dem realme 8 punktet man vor allem mit Performance, der 90 Hz Bildwiederholfrequenz, der Gesamtkameraleistung und der 5G-Fähigkeit. Ich bin froh, dass ich mich aktuell nicht zwischen den drei Geräten entscheiden muss, dann ich bin in der Tat nicht sicher, für welches der drei ich mich entscheiden würde. Vermutlich würde hier der Preis die Entscheidung fällen.


Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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