Smartphone Test | Sharp Aquos S2

Sharp Aquos S2

Wer in der heutigen Zeit ein kompaktes Endgerät sucht, der kommt nicht umhin auf die teuren Hersteller Apple, Samsung oder Sony zurückzugreifen und dabei zwischen 500 € und dem vierstelligen Bereich hinzulegen. Da erschien mir der Kauf des Sharp Aquos S2 für unter 90 € als eine testenswerte Alternative. Ob dies denn eine ist, wird der folgende Testbericht zeigen.

Vorerwartungen

Bislang hatte ich noch kein Gerät der japanischen Marke Sharp im Smartphonetest. Die Marke war mir vielmehr als Hersteller meines ersten Fersehers Ende der 80er und als ehemaliger Sponsor des Hamburger SV ein Begriff

Die mir vorliegende kleinere Version setzt auf den Snapdragon 630 als Prozessor. womit es aber immer noch nach Screenshots auf 90000 Antutu Punkte kommen sollte. Das reicht immer noch, für alle Alltagsanwendungen. Alternativ gibt es auch eine stärker ausgestattete Version mit einem Snapdragon 660 als Prozessor, die auch über einen Akku von 3000 mAh, anstatt der hier vorliegenden 2700 mAh verfügt, was der Punkt war, den ich im Vorwege am skeptischten beäugte. Nach Datenblatt sollten allerdings Display und Kamerasetup zur großen Version gleich sein und somit ging ich von einem guten Kauf aus. Dazu hat das Gerät USB-C und NFC an Bord.

Verpackungsinhalt

Die untere Seite des Kartons vom Sharp Aquos S2 ist beim unteren Element in feuerwehrrot gehalten, der obere Teil ist in weiß und zeigt das Gerät in der Farbe schwarz. Der Schriftzug C10 verrät uns, dass wir die kleinere Version vorliegen haben.

Neben dem Gerät finden sich in der Verpackung eine Schutzhülle aus Hartplastik, ein individualisiertes USB-C-Ladekabel, ein europäisches Netzteil 5V auf 2A, ein USB-C auf 3,5mm-Klinke Dongle, sowie eine Kurzanleitung und Garantiebedingungen in verschiedenen Sprachen, darunter deutsch.

Besonderheiten gegenüber anderen Geräten gibt es hier nur im Material der Schutzhülle und dem mitgelieferten Dongle, der bei Geräten mit einem 3,5 mm-Klinkenanschluss natürlich nicht dabei ist. Schön, dass er dabei ist. Die Schutzhülle fühlt sich wertiger an, denn Silikon, ob es nun besser schützt, habe ich nicht ausprobiert.

Design und Verarbeitung

Links: Elephone E10, Mitte Sharp Aquos S2

Das Sharp Aquos S2 misst 141.4 mm x 71,9 mm x 7,8 mm (9,5 mm an der herausstehenden Kamera) bei einem Gewicht von 137 g (inklusive Simkarte). Auf dieser Plattform hatten wir bislang kein vergleichbar kompaktes Gerät im Test. Bei der Nutzung der mitgelieferten Schutzhülle verschließt die Kamera mit dieser gut. Verglichen mit Xiaomi Geräten sammelt sich um die Kamera herum auch weniger Staub.

Der Unibody verfügt über einen Metallrahmen mit einer Kunstoffrückseite und ist in klassischem schwarz gehalten, ähnlich Klavierlack. Front- und Rückseite sind im Testzeitraum frei von Kratzern geblieben.

Allgemein ist das Gerät vom Design her aber nicht das modernste, denn sowohl das Kinn ist deutlich größer, als bei 2020er-Geräten und auch die Waterdropnotch wirkt mächtiger, als bei der Konkurrenz, sieht man mal von der Riesennotch der Applegeräte ab.

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste und die Lautstärkewippe. Die Tasten sind meiner Meinung nach aus Metall und haben einen guten festen Druckpunkt und wackeln nicht.

Auf der linken Seite befindet sich der Simschlitten. Auf der unteren Seite befindet sich der USB-Typ-C-Anschluss, sowie der Monolautsprecher.  Auf einen Klinkenanschluss oder einen Infrarotsensor muss man allerdings verzichten.

Der Fingerabdrucksensor befindet sich Frontseite und funktioniert auch als kapazitive Taste, ähnlich Meizu- oder älteren Applegeräten.

Das Gerät ist klein, leicht und kompakt, fasst sich aber durch das geringere Gewicht und die Kunststoffrückseite weniger hochwertig an, als Glasgeräte. Wer das Gerät mit irgendeiner Form von Schutzhülle nutzt, den wird das aber nicht stören,

Entsperrmechanismen

Codes: Ja

Fingerabruchsensor: Ja (kapazitive Taste auf der Front)

Face-Unlock: Ja

Die Entsperrmechanismen funktionieren alle drei zuverlässig und schnell, sogar schneller, als man es von der Leistung des Gerät her erwartet hätte. Trotz der schnellen Gesichtserkennung ist es mir nicht gelungen, diese mit Hilfe eines Bildes auszutricksen.

Display

Das 5,5 Zoll große IPS LCD Display im 16:9 Format löst in FullHD auf und ist für mich das Highlight des Geräts. Am oberen Ende befindet sich eine Waterdrop Notch.

Bei maximaler Helligkeit konnte ich 577,3 Lux messen. Die Schwarzwerte lassen sich ab 5 unterscheiden, die Weißwerte bis 254.

Die Blickwinkelstabilität ist super. Im Multitouch werden alle zehn Finger parallel erkannt.

Das Display muss sich nicht hinter anderen getesteten Geräten hier verstecken, sieht man mal vom Mi 9T ab. Es ist wirklich gut und mit Blick auf den Preis geradezu gigantisch gut. Die Auflösung ist besser, als die des neuen iPhone SE und die maximale Helligkeit liegt deutlich über meinem eigenen Redmi Note 8 Pro.

Software

Zum Zeitpunkt des Tests (29.06.2020) arbeitet das Sharp Aquos S2 auf Android 8.0.0  mit einem Sicherheitspatch vom 1. August 2018. Ein Softwareupdate gab es im Rahmen des Testzeitraums keines.

Sharp selbst hat Stockandroid mit einer eigenen namenlosen Oberfläche erweitert, so dass man z.B. den Fingerabdrucksensor als Softkey (ähnlich dem Meizu One Button) steuern kann. Zudem werden auch andere Gesten, wie z.B. der 3-Finger-Screenshot oder das Wechseln durch Apps per Geste unterstützt. Banggood betitelt diese Oberflöche als SharpUI, im System habe ich hierzu keine Bezeichnung oder Versionsnummer gefunden.

Sharp selbst wirbt damit, dass es sich beim dem Gerät um eine globale Version handelt und ich kann an dieser Stelle bestätigen, dass man sich, entgegen mancher chinesischer Hersteller, hier keinen Übersetzungsfehler erlaubt bzw. mir keiner ins Auge gestochen ist.

Das DRM Security Level liegt auf L1, wodurch sich Videos auf Netflix oder Amazon Video auf FullHD bzw. 4k streamen lassen.

Einer meiner beiden Kritikpunkte an dem Gerät sind die fehlenden Updates. Der Sicherheitsstand ist fast zwei Jahre alt. Hier muss man sich überlegen, was für relevante Daten man auf dem Gerät hinterlegt hat. Andererseits hinterlegt man auch auf seinem SmartTV Nutzerdaten und fragt sich gewiss nicht monatlich nach desser Softwareaktualität.

Losgelöst davon gefällt mir das System aber und bietet viele schöne Ergänzungen und Einstellungen, ohne dabei überfrachtet zu werden. Wäre die Software auf aktuellem Stand hätte ich auch hier gelobt.

Performance

Der verbaute Snapdragon 630 von Qualcomm mit seinen 4 GB Arbeitsspeicher liefert eine Performance, die 2018 in der Mittelklasse lag, 2020 eher auf Einstiegsniveau oder untere Mittelklasse ist. Das ändert nichts daran, dass ich alle Apps und Spiele immer noch vollkommen zufriedenstellend nutzen konnte, ohne mich eingeschränkt zu fühlen.

Im Antutu Benchmark 8.3.7 komme ich auf 113757 Punkte, was dem zehnten Platz von 14 getesteten Geräten seit November 2019 entspricht. Ich gehe daher davon aus, dass die o.g. Screenshot noch aus der 7er-Version stammten. Der Geekbench 5 erreicht  178 Punkte im Single-Core und 1008 Punkte im Multi-Core.

Einfache Spiele, wie Domino oder Nobodies  ließen sich problemlos spielen. Auch Asphalt 9 Legends lief flüssig. Nur aufwendigere Titel wie Shadowgun Legends mussten zwar ein paar kleine Ruckler hinnehmen, waren aber in jedem Fall spielbar.

Beim Lesen größerer PDFs (200 Seiten in Farbe) muss man dann einen kleinen Ladeverzug, verglichen mit schnelleren Prozessoren hinnehmen.

Zusammengefasst ist man merklich schneller, als die Snapdragon 625 Geräte oder der Helio P22, aber auch langsamer, als die Snapdragon 660 Geräte. Für die Alltagsperformance ist das aber vollkommen ausreichend. In jedem Fall reicht es 2020 von der Performance her, um das FullHD Display problemlos anzutreiben.

Lautsprecher

In dieser Disziplin macht das Sharp einen wirklich guten Job.

Der Lautstärketest mit dem Cadrim Sound Level Meter kam auf 99,4 dB, ohne auf maximaler Lautstärke Qualitätseinbußen vermerken zu müssen. Der Kopfhörerausgang gibt eine ordentlich Lautstärke wieder, mehr als 70 % ertrage ich nicht als Wohlfühlgrenze.

Auch in der Telefoniequalität bin ich von dem Lautsprecher angetan.  Sie ist in keinem Fall schlechter, als bei einem normalen Telefon, eher besser, ohne jetzt jemandem assoziieren zu wollen unbedingt das Sharp zu nehmen, wenn diese Disziplin für ihn oder sie am wichtigsten ist.

Kameras

Was die Kameras angeht, so wird man mit dem Sharp Aquos S2 deutlich mehr bekommen, als man für den Preis erwarten wird. Das Gerät verfügt über eine 12 MP Hauptkamera und einen 8 MP Tiefensensor.

Gerade bei guter Beleuchtung erhält man schöne Bilder mit einer tollen Farbdynamik. Bei Nahaufnahmen hat man auch einen sehr guten Schärfegrad, was auch zu sehr schönen Bokehaufnahmen in Kombination mit dem Tiefensensor führt. Bei Landschaftsaufnahmen wir man verglichen mit 200 € Geräten dann ein paar Abstriche in der Randschärfe machen müssen. Im Fokus selbst kann ich aber fast das Nummernschild meines Autos von der Loggia aus lesen.

Im Lowlight wirken die Aufgaben etwas blaustichig, sind aber bei etwas Licht noch immer nicht unbrauchbar. Man muss aber feststellen, dass sich hier seit 2018 was getan hat.

Videos lassen sich in 4k mit 30 FPS aufnehmen. Der Fokus funktioniert dabei zuverlässig, aber ein wenig langsam. Die Bildqualität ist gut, auch der Ton ist in Ordnung.

Auch die Frontkamera löst mit 8 MP aus und macht bei guter Belichtung wirklich gute und vor allem scharfe Bilder. Leider hat man aber keine Möglichkeit hier auf einen softwarebasierten Portraitmodus zurückzugreifen.

Im Lowlight fällt die Frontkamera dann nochmal stärker, als die Rückkamera ab.

Videos lassen sich in 1080p mit 30 FPS aufnehmen, wobei die Schärfe im Hintergrund deutlich hinter der im Fokus zurückbleibt. Auch haben die Mikrofone bei meinen Testvideos nicht alle Geräusche in gleicher Stärke aufgenommen.

Zu der Software möchte ich hier noch einmal anmerken, dass diese ein wenig anders aufgebaut ist, als die der Konkurrenz. Da gewöhnt man sich natürlich schnell dran, aber dennoch muss man sich hier ein wenig umgewöhnen.

Sieht man mal von den Features, wie einer fehlenden Weitwinkelkamera oder einem fehlenden Portraiteffekt für die Frontkamera ab, so performt das Sharp Aquos S2 auf jeden Fall auf dem Niveau eines Lenovo Z5s und liegt über der normalen Redmi-Reihe, ohne Note. Wenn man das mal mit dem Preis in Relation setzt ist das wirklich sehr gut.

Akkuleistung

Im Vorwege des Tests ging ich bei der Kombination eines lediglich 2700 mAh großen Akkus in Kombination mit dem Snapdragon 630 hier von der schwächsten Kategorie des Geräts aus. Und abgesehen von der Softwareaktualität wurde ich im Grunde auch bestätigt, auch wenn es bei weitem nicht so gravierend ist, wie ich befürchtet hatte.

Gemäß AkkuBattery komme ich immer auf eine Screenonzeit von über sieben Stunden, in der Regel liegt sie zwischen 7:10-7:40. Im kombinierten Verbrauch sind das immer noch über 30 h Nutzungsdauer. Das ist verglichen mit anderen Geräten wenig, bringt einen aber immer noch sicher durch den Tag.

Auf mittlerer Helligkeit verbrauche ich für eine Stunde Youtube auf mittlerer Helligkeit 13,5 %. Auch das ist ein hoher Verbrauch. Behält man dabei im Hinterkopf, dass das Display wirklich hell ist, so kann man hier sicher noch weiter optimieren, aber warum eigentlich, man kommt doch durch den Tag?

Mit dem mitgelieferten Netzteil 72 % des Akkus in 75 min auf. Damit ist das Gerät in 104 min wieder von 0 % auf 100 % aufgeladen.

Klar ist dies eine der beiden Schwächen des Geräts, aber man kommt ohne Probleme durch den Tag und hat das Gerät dann noch vor dem Einschlafen wieder voll geladen. Brauch man das eigentlich länger?

Konnektivitäten

Das Sharp Aquos S2 ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: B1/B3/B7/B8/B20/​. Das sind alle in Deutschland relevanten, aber weniger, wie bei vielen Konkurrenzgeräten.

Das Gerät verfügt über einen Hybridslot. Man muss sich also entscheiden, ob man zwei Simkarten nutzen möchte oder eine Simkarte und eine Micro SD Karte zur Speichererweiterung. Der interne Speicher beläuft sich auf 64 GB, von denen einem per Werk 48,9 GB zur Verfügung stehen. Das ist ein hoher Verbrauch für das installierte System.

Im WLAN messe ich die folgenden Werte (1: direkt vor dem Router; 2: ein Zimmer daneben; 3: auf dem Dach; Werte in Mbit/s bei einer Übertragungsrate von maximal 50 Mbit im Download):

  1. D: 40,1 / U: 24,7
  2. D: 40,9 / U: 23,7
  3. D: 10,4 / U: 15,2

Auf der längeren Entfernung fällt dabei der höhere Abfall im Download auf. Den Verlust in erster und zweiter Entfernung schreibe ich dem WLAN-Modul der sechs Jahre alten FritzBox zu. Andere Geräte hatten jedenfalls ein vergleichbares Problem.

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet 36 Satelliten, von denen 19 benutzt werden und zu einer auf 3m genauen Position kommt. Der Kompass funktionierte

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss.

Die Benachrichtigungs-LED ist RGB-fähig. Das Gerät verfügt über NFC, wodurch man z.B. bargeldlose Zahlungsarten nutzen kann. Im Test habe ich diese Funktion aber nicht ausprobiert.

Eine Blutoothverbindung mit meinem Anker Soundcore 2 verlief problemlos.

Preis- und Preisleistung

Man erhält das Sharp Aquos S2 in vorliegender Version als Import für unter 90 € inklusive Versand, aus Deutschland für unter 135 € (Stand: 29.06.2020)

Ohne Zweifel ist es sein Geld mehr als wert. Denn die Qualität von Kamera und Display, dazu noch NFC bekommt man für unter 100 € in keinem Fall.

Fazit

Das Sharp Aquos S2 hat sicher zwei bis drei Kategorien, die nicht jedem Schmecken, aber auf Augenhöhe mit dem Xiaomi Mi 9T ist es in diesem Jahr das Gerät, was von dem ich im Gesamtpaket am überzeugtesten bin:

Zwar ist der Akku klein, aber er reicht locker über den Tag. Zwar ist die Software veraltet, aber alle relevanten Features liegen vor und ist gut bedienbar. Doch was ich dafür bekomme, ist ein Gerät für unter 90 €, mit einem starken Display und einer guten Kamera, das sogar noch über NFC verfügt und eine farbige Benachrichtigungs-LED hat. In keiner anderen Kategorie fällt es aus der Alltagsnutzbarkeit heraus. Und hinzu muss man für ein ähnlich kompaktes Gerät mindestens 450 € drauflegen.

Mir selbst ist die Kompaktheit egal, ich habe lieber ein größeres Display und einen größeren Akku, aber für all diejenigen, die wenig ausgeben wollen und gerade dann einen Wert auf Display und Kamera legen, die bekommen hier eine unvergleichliche Kombination.


Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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