Smartphone Test | Elephone E10

Elephone E10

Mein erstes chinesisches Gerät war im Jahr 2015 das Elephone P8000, ein Gerät mit dem ich seiner Zeit sehr zufrieden war und das tatsächlich den Aufstieg vom Diensttelefon zum Daily Driver geschafft hatte. In diesem Test steht endlich mal wieder ein Elephone im Fokus und zwar das E10

Vorerwartungen

Mit Blick auf meine Tests der vergangenen Jahre musste man immer wieder feststellen, dass es einige Kategorien gab, die man um die 100 € vergeblich gesucht hat. Hierzu zählten neben NFC und USB-Typ-C häufig auch ein aktuelles Betriebsystem.

Das E10 bietet all diese Kategorien und hat sogar einen Fingerabdrucksensor auf der Seite. Auch wenn ich aus Vorerfahrungen davon ausging, dass man sicher in verschiedenen Kategorien abstrichen machen wird, denn Elephone ist eine deutlich kleinere Firma als Xiaomi, so war ich mir sicher, dass man für 100 € ein modernes und breit aufgestelltes Gerät erhalten wird. Auch wenn man in den Vorjahren immer mal mit Fakekameras leben musste, so sollte das hier anders sein und schließlich konnte mich Elephone bereits 2015 vom Mainstream abbringen.

Verpackungsinhalt

Elephone setzt auf eine weiße Verpackung mit einem roten Schriftsatz, um die außen eine weitere Pappe gelegt ist, die von blau nach rot verläuft.

Neben dem Gerät finden sich in der Verpackung eine Schutzhülle aus Silikon, eine Simnadel, ein USB-C-Ladekabel und ein europäisches Netzteil 5V auf 2A.

Auf eine Kurzanleitung wird verzichtet, lediglich ein Informationsblatt darüber, dass das Gerät beim Flugtransport nur zu 30 % aufgeladen sein darf, liegt bei. Aber gut, sein wir ehrlich, das habe ich ohnehin seit Jahren nicht mehr gelesen.

Im Grunde fällt der Lieferinhalt spartanischer aus, als bei Redmi, aber andererseits, was braucht man da auch mehr?

Design und Verarbeitung

Das Elephpone E10 misst 163,6 mm x 77,3 mm x 8,6 mm (9,7, mm an der herausstehenden Kamera) bei einem Gewicht von 193 g (inklusive Simkarte).

Bei der Nutzung der mitgelieferten Schutzhülle verschließt die Kamera mit dieser gut und auch Staub sammelt sich hier kaum.

Der Unibody verfügt über einen Rahmen und eine Rückseite aus Kunsstoff und ist in klassischem schwarz gehalten, ähnlich Klavierlack. Zudem befindet sich hier ein Elephone Logo und ein CE Zeichen. Alternativ bekommt man das Gerät auch in einem Blauton mit einem in grün überlaufenen Farbverlauf.

Sowohl Front- als auch Rückseite blieben im Testzeitraum frei von Kratzern. Beide Seiten sind allerdings sehr anfällig für Fingerabrücke und andere Verdreckungen.

Auf der rechten Seite befinden sich die Power Taste, die gleichzeitig als Fingerabdrucksensor funktioniert, und die Lautstärkewippe. Die Tasten sind meiner Meinung nach auch aus Kunststoff. Sie haben einen guten festen Druckpunkt und wackeln nicht.

Auf der linken Seite befindet sich der Simschlitten. Auf der unteren Seite befindet sich der USB-Typ-C-Anschluss, sowie der Monolautsprecher.  Auf einen Klinkenanschluss oder einen Infrarotsensor muss man allerdings verzichten.

Das Gerät ist groß, aber für diese Größe durch das verwendete Kunsstoff nicht auffällig schwer. Im Vergleich mit anderen Kunsstoffgeräten, wie z.B. dem Motorola One Macro, wirkt es aber weniger wertig und kommt mit größeren Spaltmaßen daher. Wer ein 100 € Gerät kauft wird aber sicher nicht hierrauf den Schwerpunkt legen. Dafür hinterlassen die Tasten und Kameras jedoch einen wertiger verarbeiteten Eindruck.

Entsperrmechanismen

Codes: Ja

Fingerabruchsensor: Ja (kapazitive Taste am Power Button)

Face-Unlock: Ja

Die Entsperrmechanismen funktionieren alle drei zuverlässig und schnell, wenngleich man hier vermutlich durch den Prozessor nicht ganz so fix unterwegs ist, wie bei Redmis Mittelklasse. Und auch das Sharp Aquos S2 ist mit einem kaum schnelleren Prozessor hier deutlich fixer unterwegs.

Positiv muss man aber herausheben, dass man für einen Fingerabdrucksensor auf der Seite normal das doppelte zahlen muss und, dass dieser hier funktioniert.

Display

Das 6,5 Zoll große IPS LCD Display im 19,5:9 Format löst in HD+ auf. Am oberen Ende befindet sich eine Waterdrop Notch.

Bei maximaler Helligkeit konnte ich 390,4 Lux messen, das sind satte 100 Lux mehr, als beim vergleichbaren Redmi 8. Allerdings ist mir die Helligkeit bei 50 % zu niedrig, so dass man hier vermutlich höher in den Einstellungen gehen muss. Die Schwarzwerte lassen sich ab 4 unterscheiden, die Weißwerte bis 253.

Die Blickwinkelstabilität ist super. Im Multitouch werden allerdings nur fünf Finger parallel erkannt.

Sicher bekommt man in der Mittelklasse für 50 € mehr hellere und hochauflösenderer Displays. Aber für ein aktuelles Gerät um die 100 € braucht man sich hier nicht verstecken. Denn eine niedrige Auflösung spart Akku und verbessert die Performance. Insbesondere muss man hier auch hervorheben, dass das Gerät ein 6,5 Zoll großes Display hat.

Software

Zum Zeitpunkt des Tests arbeitet das Elephone E10 auf Android 10 Basis mit einem Sicherheitspatch vom 1. Mai 2020. Ein Softwareupdate gab es im Rahmen des Testzeitraums keines.

Im Grunde liegt uns hier Stockandroid vor. Lediglich vier weitere Gesten lassen sich zur Individualisierung aktivieren. Dies ist in den Advanced Setting möglich. Dies ist auch die einzige fehlerhafte Übersetzung im Deutschen, die mir aufgefallen ist. Zudem kann man sich drei verschiedenen Arten von Bedienelementen einstellen.

Das DRM Security Level liegt auf L3, wodurch sich Videos auf Netflix oder Amazon Video maximal auf 720p streamen lassen. Grundsätzlich ist das hier aber egal, da das Display ja nicht höher auflösend ist.

Man bekommt hier also ein aktuelles System geliefert, wird aber sicher keine langen Softwareupdates bekommen.

Performance

Der verbaute Helio P22 von Mediatek mit seinen 4 GB Arbeitsspeicher reißt zwar keine Bäume aus, liefert aber eine solide Alltagsperformance. Dennoch muss man im Vergleich zur Mittelklasse durchaus mal die ein oder andere Millisekunde länger warten.

Im Antutu Benchmark 8.3.7 komme ich auf 98619 Punkte, was dem zwölften Platz von 14 getesteten Geräten seit November 2019 entspricht. Der Geekbench 5 erreicht  141 Punkte im Single-Core und 872 Punkte im Multi-Core.

Einfache Spiele, wie Domino ließen sich problemlos spielen. Auch Syberia lief problemlos. Bei Brothers in Arms 3 muss man jedoch schon mit dem einen oder anderen Ruckler leben.

Beim Lesen größerer PDFs (200 Seiten in Farbe) muss man dann macht sich o.g. Wartepause dann durchaus bemerkbar, da kann man beim Vorscrollen durchaus zwei Sekunden warten, ehe die Darstellung da ist.

Die Performance ist sicher nicht das Highlight des Geräts, wäre aber auch für mich, der mit dreifacher Leistungsstärke arbeitet, kein Nichtkaufgrund.

Lautsprecher

Die Leistung des Lautsprechers ist vollkommen in Ordnung. Während der Lautstärketest mit dem Cadrim Sound Level Meter auf 104,2 dB kommt und einen sehr hohen Wert aufbieten kann, muss man durchaus eingestehen, dass andere Geräte einen volleren Klang aufbieten können. Dennoch kann man das Gerät durchaus ein Zimmer weiter hören.

Mit Hilfe eines, nicht mitgelieferten, USB-3,5mm-Klinke-Dongle, bietet der Kopfhörerausgang eine ordentliche Leistung und kommt bei mehr als 80 % über meine Wohlfühlgrenze.

Die Telefoniequalität ist solide. Es gibt nichts zu meckern, aber auch nichts hervorzuheben.

Kameras

48 MP Hauptkamera

Einbußen muss man jedoch bei den Kameras machen, obwohl Elephone diesmal wirklich alle Sensoren auch benutzt. Auf der Rückseite kommt eine Quadkamera mit einem 48 MP Hauptsensor, einem 8 MP Weitwinkel, einem 5 MP Makrosensor und einem 2 MP Tiefensensor zum Einsatz.

Der Hauptsensor zeigt zwar eine ordentliche Farbdynamik, lässt aber im Vergleich zur Konkurrenz mehr an Schärfe vermissen.

8 MP Weitwinkel

Stärker noch wird dieser Abfall bei der Verwendung des 8 MP Weitwinkelsensors. Dieser kann dann auch die guten Farbdarstellungen nicht mehr aufbieten und fällt im Lowlight nochmal weiter ab. Vergleicht man diese beiden Linsen mit denen des Redmi Note 8, so bekommt man dort für kaum eine Preiserhöhung hier eine deutlich höhere Qualität.

5 MP Makrokamera

Die Makrolinse hingegen unterscheidet sich nicht von der der Konkurrenz, allerdings hat sich mir auch bei der ein Sinn der Makrolinse nicht eröffnet und auch beim Elephone E10 kann ich kein besseres Resultat im Vergleich zum Hauptsensor festellen.

Videos lassen sich in FullHD aufnehmen. Der Fokus funktioniert dabei nur manuell. Die Bildqualität ist gut, der Ton aber selektiv.

Frontkamera im Bokehmodus

Nicht verstecken braucht sich hingegen die 13 MP Frontkamera, die einen ordentlichen Job abliefert. Insbesondere bei gutem Licht kommen ordentliche Resultate heraus. Auch der softwaregenerierte Bokeheffekt funktiont gut. Bei schlechteren Belichtungsverhältnissen muss man dann allerdings auch in dieser Disziplin einen stärkeren Abfall, als bei dern Redmi Geräten hinnehmen.

Videos lassen sich auch hier in 1080p mit 30 FPS aufnehmen. Auch hier hinterlässt die Selfiekamera im Vergleich einen besseren Eindruck, als die Rückseite. Auch die Tonprobleme tauchen hier nicht auf.

Die Software funktioniert intuitiv. Wie allerdings schon bei meinem P8000 bemängel ich hier immer noch, dass man den Auslöseton nicht deaktivieren kann, so man nicht die gesamten Töne für das Telefon deaktiviert.

Außer in der Breite an Features muss man in den vier Hauptkameras doch ein paar Abstriche eingehen. Man hat zwar vier funktionierende Objektive, diese bleiben aber merklich hinter der Konkurrenz. Brauchbar sind sie aber immer noch. Die Frontkamera ist vollkommen in Ordnung.

Akkuleistung

Die Kombination des 4000 mAh großen Akku mit dem Helio P22 und dem 720p Display kommt auf eine wirklich hervorragende Akkuleistung.

Gemäß AkkuBattery komme ich immer auf eine Screenonzeit von fast 13 Stunden bei mittlerer Helligkeit. Im kombinierten Verbrauch sind das über 112 h Nutzungsdauer, also über 4,5 Tage. Auf mittlerer Helligkeit verbrauche ich für eine Stunde Youtube 6 %. Auch das ist ein toller Wert.

Mit dem mitgelieferten Netzteil 72 % des Akkus in 75 min auf. Damit ist das Gerät in 104 min wieder von 0 % auf 100 % aufgeladen.

Wo man die ganze Zeit den Eindruck hatte, mit dem Gerät immer einen Kompromiss einzugehen, ist dies bei der Akkuleistung sicher nicht der Fall, denn hier kommt man Topwerte.

Konnektivitäten

Das Elephone E10 ist LTE-fähig und kompatibel mit den folgenden Bändern: B1/B3/B5/B7/B8/B20/​B28/B38/B40/B41.

Das Gerät verfügt über einen Dualsimslot. Zudem lässt sich der Speicher noch zusätzlich um eine Micro SD Karte erweitern. Der interne Speicher beläuft sich auf 64 GB, von denen einem per Werk 55,6 GB zur Verfügung stehen.

Im WLAN messe ich die folgenden Werte (1: direkt vor dem Router; 2: ein Zimmer daneben; 3: auf dem Dach; Werte in Mbit/s bei einer Übertragungsrate von maximal 44 Mbit/s im Download/23 Mbit/s Upload):

  1. D: 19,3 / U: 15,9
  2. D: 16,6 / U: 13,2
  3. D: 2,56 / U: 0,0

Hier lässt sich sowohl ein Problem mit größerer Distanz, als  auch überhaupt ein Abrufen der maximalen Bandbreite feststellen. Einen Tag vorher konnte ich die volle Bandbreite bei 100 Mbit/s Download allerdings abrufen.

Der GPS Empfang (GPS-Test) findet 36 Satelliten, von denen 24 benutzt werden und zu einer auf 1 m genauen Position kommt. Ein Hardwarekompass ist jedoch nicht an Bord.

Das Gerät verfügt über einen USB-Typ-C-Anschluss. Es ist NFC-fähig, man kann es also z.B. zum bargeldlosen Bezahlen nutzen. Für Testzwecke fehlt mir hier allerdings noch ein passendes Gerät, so dass ich die Funktionalität nur anhand von gesehenen Tests bestätigen kann.

Auf einen 3,5 mm Klinkenausgang muss man verzichten, ebenso auf eine Benachrichtigungs-LED.

Eine Blutoothverbindung mit meinem Anker Soundcore 2 verlief problemlos.

Preis- und Preisleistung

Man bekommt das Elephone E10 für um die 140 € aus Deutschland, als Import für um die 110 €.

Für diesen Preis macht man dann auch nichts falsch, denn man kann in jeder Disziplin mitspielen: Das Gerät ist groß, hat eine starke Akkuleistung, einen lauten Lautsprecher und ich sogar NFC-fähig. Das Design ist modern und bietet sogar einen Fingerabdrucksensor auf der Seite. Die größten Abstriche muss man in der Performance und bei den Kameras machen, ohne hierbei allerdings ganz rauszufallen.

Fazit

Wer nicht gerade den Schwerpunkt auf Kamera und Performance legt, der bekommt für sein Geld hier eine ganze Menge, insbesondere, wenn man alle Features eines modernen Smartphones 2020 für kleines Geld einmal ausprobieren möchte. Das Elephone E10 muss im Grunde auf nichts verzichten, was ein modernes Smartphone ausmacht, auch wenn es außer der Akkuleistung keine herausragenden Highlights aufbietet.

Alles in allem ist das Gerät aber auf jeden Fall sein Geld wert. Wer wenig ausgeben möchte, macht hier kaum was falsch. Klar ist, dass man für mehr Geld dann wieder mehr bekommt. Dann muss man sich fragen, welchen Aufpreis man hierfür bereit ist zu zahlen.


Björn WinterbergÜber den Autor
Björn Winterberg unterstützt das Team von Digitales für Einsteiger seit Januar 2020 unentgeltlich. Dabei betreut er die neu eingeführte Kategorie Smartphone-Tests, einem Hobby dem er seit 2018 nachgeht. Normal ist er beruflich an einem Hamburger Gymnasium als Lehrer in den Fächern Mathematik und Informatik tätig.
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