Nina und die digitale Welt - die Kolumne auf connect45plusMein Bruder und ich stecken gerade in der schwierigsten Phase des Jahres. In 14 Tagen hat unsere Mutter Geburtstag und wir wissen nicht im Geringsten, was wir ihr schenken sollen. Wenn wir sie fragen, was sie sich wünscht, antwortet sie immer nur: Dass Ihr kommt!

Das machen wir natürlich auch, aber das reicht ja noch nicht. Also bohren wir weiter. Und dann sagt sie meist: Ach ja, es wäre schön, wenn ihr mir mal mit meinem Skype helfen könntet. Das funktioniert nämlich irgendwie nicht.

Unsere Mutter hat eine Freundin, die ist fast täglich auf Skype mit ihren Kindern und Enkeln in Kontakt und schwärmt am laufenden Band. Aber bei unserer Mutter klappt das irgendwie nicht. Wir schenken ihr schon seit Jahren immer wieder die Einrichtung bzw. Aktivierung ihres Skype-Accounts. Wenn es dann läuft, sagt sie: Ah ja, verstehe, jetzt weiß ich, wie es geht. Aber kaum sind wir wieder weg, ruft sie an: Hier stimmt was nicht mit meinem Skype! Aber sie hat ja bald Geburtstag.

Ältere Dame mit Tablett und SkypeVor zwei Jahren, als mein Bruder und ich gerade Spendierhosen anhatten, haben wir ihr einen Tablet-PC geschenkt. Wir dachten, dann kann sie uns immer mal von unterwegs ein Foto schicken, mit uns skypen, wenn sie im Garten vor ihrem Haus sitzt oder auch Fotos von ihrem Enkel mit zu ihren Freunden nehmen.

So hatte sie sich das auch gewünscht.

Und wir richteten ihr sogar eine Dropbox ein, damit wir laufend Fotos austauschen können. Leider hat all das nie so richtig geklappt. Nur manchmal, da landet in der Dropbox plötzlich ein „Selfie“ von unserer Mutter. Dann wissen wir, sie hat mal wieder versucht, mit ihrem Tablet zurecht zu kommen. Und immerhin ein Foto geschossen, das automatisch in der Dropbox gelandet ist und worüber mein Bruder und ich uns dann sehr freuen.

Anders herum aber hat sie noch nie von selbst eines der Fotos gefunden, die wir für sie in die Dropbox laden. Das zeigen wir ihr dann immer, wenn wir vor Ort sind und sie staunt und sagt: Oh, ach, toll! Nun werden wir ihr dieses Jahr wie immer unseren Besuch, die Einrichtung ihres Skype-Accounts sowie ein paar Tricks zur Benutzung ihres Tablet-PCs schenken.

Und vielleicht noch ein Buch und einen Theatergutschein.

Nachsatz zur Verteidigung unserer Mutter: Es handelt sich bei ihr um eine sehr wohl intelligente und aufgeschlossene Frau, die immer zu den ersten gehörte, wenn es in Sachen Technik was Neues gab (Computer, E-Mail, Handy, alles easy). Wir unterstellen ihr nur in den letzten Jahren einen gewissen Mangel an Aufmerksamkeit für solche Dinge. Tut ja auch nicht Not mit ihrem großen Freundeskreis und einem bunten Leben auf dem Land.

Und immerhin, so haben wir jedes Jahr aufs Neue zumindest schon mal eine kleine Idee, womit wir ihr eine Freude machen können.

NinaConze1-©-Heike-SiegertÜber die Autorin

Nina Conze arbeitet als freie Texterin für Unternehmen und Agenturen in Hamburg. Sie betreibt das Texternetzwerk Schreiberschaft und berät bei der Entwicklung von Kommunikationskonzepten, PR-Kampagnen und Buchprojekten. (www.schreiberschaft.de)

Bei Gefallen gerne teilen